#ClubdertotenMänner (3)

Ich wache auf und merke sofort – irgendetwas ist anders. Kein Ziehen im Rücken, mein Kopf ist klar und munter. Selbst meine Hose, Karl und sein Spielzeug liegen still und leise da, wo sie hingehören.

Wie jeden Sonntag schlüpfe ich in irgendwelche Klamotten und setze die Mütze auf. Das vertraute Ritual beruhigt mich.

„wir können auch Brötchen aufbacken, du musst nicht los, wenn Du nicht magst“
War das die Stimme der geliebten Hausbesetzerin? Was ist heute los? Ich schaue mich suchend um, kann aber nirgends Feenstaub entdecken.

Männer brauchen Sonntags Routine, Änderungen machen skeptisch und unsicher.
Und wenn, wollen wir selbst entscheiden, uns den kleinen Vorteil selbst erkämpfen.
„das geht schon, bin gleich wieder da“ rufe ich der Fee zu und steige vor lauter Übermut ins Auto und fahre zum #ClubdertotenMänner.

Bei Frl. Meyer ist alles wie immer: eine kleine Schlange schweigender Männer huldigt ihrer heimlichen Königin. Doch, eins ist anders: ich bringe meine Bestellung mit klarer Stimme und im ganzen Satz hervor.

Was ist hier los??
Wenn jetzt die Schwiegermutter noch anruft und den Besuch absagt, drehe ich durch…

#SonntagbeimBäcker im #ClubdertotenMänner
#dashausmitdemblauenzaun

Alles unter einem Hut

Morgens halb sieben ist die Welt noch in Ordnung. Zumindest für Karl.

Ich werde wach, weil es sich anhört, als würde der Seppel Joseph neben mir für das Finale der Schuhplattler Meisterschaft üben. Ich versuche mich kurz zu erinnern, ob wir gestern Abend aus Versehen nach Bayern gefahren sind.

Aber nein – die erste gute Nachricht des Tages ist: ich bin zu Hause. Das Rudel ist vollzählig, wenn auch nur halb wach. Bis auf einen. Der ist krähwach. Seppel Joseph entpuppt sich nämlich als Karl – Rudelmitglied Nr. 4, der sich auf dem Holzfußboden allerdings aufführt als wäre er die Nr. 1. Tippelt und tänzelt umher, überwindet völlig schamlos meine Komfortzone und deponiert all sein Spielzeug neben meinem Ohr. Und weil ich ja jetzt sein Spielzeug habe, schleppt er meine Hose weg. Stolz wie Oskar trägt er seine Beute durchs Haus.

„Scheiß Party – wenn ich meine Hose finde, gehe ich nach Hause“ schießt es mir durch den Kopf. Aber da ich zum Glück ja zu Hause und nicht in Bayern bin, kann ich mir auch einfach eine neue aus dem Schrank nehmen. Immerhin.

Während Karl mir weiterhin ungeniert seine Beute präsentiert, schaffe ich es irgendwie zur Kaffeemaschine. Auf dem Weg dorthin komme ich am großen Spiegel vorbei. Ach Du Scheiße! Ich sehe aus, als hätte ich an der Kissenschlacht-Meisterschaft teilgenommen – und verloren.

Ich weiß ja, ich müsste dringend mal wieder zum Frisör. Aber dafür ist es jetzt noch zu früh. Und für den Moment sowieso zu spät. Wenn ich es noch schaffe, mit Hilfe von Kaffee und Zigarette halbwegs wach zu werden, habe ich schon gewonnen. Nr. 4 muss nämlich raus, dringend. Alles andere ist erstmal zweitrangig – auch die Haare.

Trotzdem lässt mich der Gedanke beim Kaffee nicht los: so kann ich nicht raus auf die Straße. Mir ist zwar vieles egal, vor allem was andere von mir denken. Aber als Clown bin ich hier auch nicht angestellt.

Kapuze. Ich ziehe einfach die Jacke mit Kapuze an! Nee, erstens mag ich die Jacke nicht, zweitens hält die olle Kapuze genau 20 Sekunden, bevor sie mir vom Kopf rutscht.

Ich versuche es schnell mit der Bürste – aber die ist machtlos gegen das Gestrüpp auf meinem Kopf und ich sehe nicht nur aus als hätte ich die Kissenschlacht verloren, sondern dabei auch noch meine Würde.

Während ich beim letzten Schluck Kaffee nach weiteren Optionen suche, kommt Nr. 2 um die Ecke und lacht sich erstmal tot. Danke! Ich Dich auch – meistens jedenfalls!

Sie verschwindet kurz im Flur und reicht mir kurz darauf stumm ein Cap. Naja, ganz stumm nicht: ihre Augen sprechen Bände. Und die sagen „setz das Ding auf und stell Dich nicht so an. Karl muss raus“

Ich hasse Mützen jeder Art. Darunter ist es immer viel zu warm. Außerdem fühlt es sich an, als würden 1000 Käfer Junggesellenabschied feiern. Schon meine Mutter ist daran verzweifelt und wenn sie Recht behalten hätte, wäre ich längst erfroren. Der Fisch friert ja bekanntlich immer am Kopf zuerst.

Zum Glück bin ich kein Fisch, also auch nach 46 Wintern nicht erfroren und setze das Scheißding einfach auf. Hilft ja nix. Karl guckt mich an, als ob ich ein Fisch wäre – kommt aber trotzdem freiwillig mit. Immerhin bekommt er von mir später sein Futter.

Und wie wir so durch den nasskalten Morgen schlendern – ich in Gedanken bei den Käfern auf Junggesellenabschied, Karl bei der nächsten Pusteblume – kommen uns diverse andere Rudelführer mit ihren Hunden entgegen.

Und was soll ich sagen – Karl schaut sie alle an, als wären sie ein Fisch. Und im übertragenen Sinne stimmt das ja auch. Denn sie alle tragen eine Mütze.

Mal aus Wolle, mal groß, mal klein, hell oder dunkel, mit Schirm, ohne … alles dabei. Nur keine Frisur, die sitzt.

Sollte es etwa, also bin ich vielleicht heute morgen nicht der Einzige….?

Nachdem ich eine Weile all die Mützen- und Hutpassanten beobachtet habe, drängt sich mir eine Theorie auf: hatte meine Mutter gar nicht Recht und denen ist allen gar nicht kalt?

Tragen die alle vielleicht nur etwas auf dem Kopf, weil sie genau wie ich dringend zum Frisör müssen und das vor der Kissenschlachtmeisterschaft nicht mehr geschafft haben?

Mit anderen Worten: haben sie alle etwas zu verbergen? Nämlich die schlechtsitzende Frisur?

Wenn das tatsächlich so wäre ….. bräuchte ich nie wieder Mütze oder Cap tragen. Ich müsste nur schnell auch alle anderen davon überzeugen, dass es viel zu warm ist und juckt am Kopf. Dann würden wir alle gleich bescheuert aussehen mit unserem Wuschelkopf. Aber es wäre egal, wir sind ja unter uns morgens kurz nach sieben.

Auf dem Weg nach Hause denke ich ernsthaft darüber nach, wie ich all die armen, bemützten Seelen überzeugen und „unter einen Hut bringen“ könnte – nämlich keine Mütze mehr zu tragen. Da kommt mir H. entgegen, der Grand Senior des Dorfes und seines Zeichens Frisörmeistermeister. NATÜRLICH ist er frisch frisiert und sieht aus, wie aus dem Ei gepellt. Zum Gruß lüfte ich mein Cap ein ganz klein wenig mehr als es nötig gewesen wäre.

Sein Blick: unbezahlbar!

#ClubdertotenMänner (2)

Rechtzeitig an den Nachwuchs zu denken, ist wichtig. Das wissen viele Unternehmen – und bilden deshalb aus. Das wissen auch Frauen ab 30 – und … ach egal 😉

Das wissen auch die Mitglieder im Club der toten Männer – und schicken gelegentlich Ihren Nachwuchs. Im doppelten Sinne sogar: der eigene Nachwuchs wird zum Club-Nachwuchs ausgebildet. Sehr raffiniert.

Was passiert, wenn ein guter Unternehmer in eine Frau ab 30 verliebt ist, kann man(n) heute am Muttertag im Club beobachten: Nachwuchsförderung im dreifachen Sinne: drei Jungs, offensichtlich Brüder, holen Brötchen.

Der Älteste hat das Geld – und die Einkaufsliste.

Ich bin fasziniert: abgesehen vom dreifachen Nachwuchs, ich wäre nicht in der Lage Brötchen nach Liste zu kaufen. Woher soll ich schon zu Hause wissen, worauf ich Appetit habe?! Ok, am Ende wird es doch immer das Gleiche, mit minimalen Abweichungen. Aber ich könnte, wenn ich wollte… mit einer Liste könnte ich nicht.

Die Jungs dürfen und können auch nicht. Das Geld ist nämlich genau abgezählt auf den Inhalt der Liste. WTF?! Ich habe eine Ahnung, zu welchem Ausbilder ähhhm Vater die drei gehören könnten. Es muss dieser Buchhalter Typ sein, der gelegentlich eine vorbestellte Tüte abholt.

Einkaufsliste, Dreifachnachwuchs, Vorbestellung – ich bin fix und fertig. Ich kaufe drei Schokomuffins extra und schenke sie den Jungs. Hihi, jetzt sind die drei genauso irritiert wie ich.

Ich gehe vergnügt nach Hause und freue mich mehr denn je auf meine Frau und ausreichend Restgeld in der Tasche.

#SonntagbeimBäcker im #ClubdertotenMänner

#dashausmitdemblauenzaun

#ClubdertotenMänner (1)

jeden Sonntag treffen sie sich: unrasierte, stumme Männer in hastig übergeworfenen Klamotten. Sie stehen schweigend in der Schlange, um den Auftrag zu erfüllen, zu dem es keine Kompromisse gibt: frische Backwaren nach Wunsch der Herzensdame und der gemeinsamen Brut nach Hause bringen.
#SonntagbeimBäcker im #ClubdertotenMänner

Es ist noch nasskalt, ich bin müde und alle Knochen tun mir weh. Jetzt schön unter die heiße Dusc… „WIR HABEN JETZT ECHT HUNGER“ ruft es da plötzlich von weitem, jedes Wort wird einzeln betont… ach ja, es ist Sonntag. Mitgliederversammlung im #ClubdertotenMänner. Ich fühle mich nicht nur so – ich bin ein toter Mann.
Zu Fuß mache ich mich auf den Weg, als Letzter duschen ist ohnehin besser. Kann Man(n) anschließend gleich die Dusche sauber machen.

Auf dem Weg überholt mich ein Nachbar – im warmen Auto. Naja, sonst ist er ja ein netter Kerl.

Ich sehe schon den goldenen Schein der Bäckerei, da kommen all die anderen: zu Fuß, mit dem Fahrrad und noch ein paar andere (die sonst bestimmt auch ganz nett sind) mit dem Auto.

Die Fußgänger haben mein Mitgefühl. Sie haben neben der Bestellung so liebevolle Wünsche wie „… ein bisschen Bewegung tut Dir ganz gut…“ mit auf den Weg bekommen. „und nimm den Hund mit!“ Ich bin mir nicht sicher, aber ob die heute noch heiß duschen dürfen…? Die Dusche sauber machen auf jeden Fall!

Die Fahrradfahrer bewahren sich einen Rest an Würde und Freiheit. Sie wirken etwas frischer, einen Hauch besser gelaunt und mit etwas Glück bekommen sie zu Hause noch einen anerkennenden Blick extra. Die Autofahrer… Verräter!

In der Schlange stumm zu warten wärmt mich etwas auf. Die Müdigkeit weicht der stillen Hoffnung, Frl. Meyer heute mein Herz ausschütten zu können. Aber es bleibt bei „vier normale und zwei Roggen“. Ich weiß auch nicht, vielleicht beim nächsten Mal.

Gerade will ich meine duftende Tüte stolz nach Hause tragen, da schallt es laut und munter durch die morbide Stille „guten Moooorgen zusammen“

DER schon wieder mit seiner guten Laune! Ist bestimmt mit dem Auto gekommen.

#SonntagbeimBäcker im #ClubdertotenMänner
#dashausmitdemblauenzaun

Shakshuka – oder wie wir sagen „geiles Essen“

„immer, wenn ich bei Euch vorbei jogge, steht Ihr in der Küche und kocht“ sagte ein guter Bekannter im Dorf neulich zu mir.

„dann unterbrich doch das Joggen einfach und komm mal zum Essen vorbei“

Tatsächlich bleibt die Küche bei uns selten kalt. Hier wird experimentiert, geschlemmt und Opas Klassiker feiern Renaissance. In diesem Haus macht Essen glücklich – Bewohner und Gäste.

Gestern haben wir ein tolles Sommergericht wiederentdeckt und ein wenig … ergänzt.

Shakshuka (im Original ohne, bei uns mit Hackbällchen 😉)

Für die Hackbällchen:

  • 500g Hack (Rind oder gemischt)
  • 2 Eiweiß
  • 1 Knoblauchzehe (gepresst oder sehr fein gehackt)
  • 4-5 EL Semmelbrösel
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1 EL Mondamin
  • 6 EL kaltes Wasser
  • 1 TL gekörnte Brühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 Prise Zucker

Alle Zutaten sehr gut vermengen und solange verrühren, bis eine weiche, homogene Masse entstanden ist. Mit einem Esslöffel kleine, etwa wallnussgroße Bällchen formen.

Die Hackbällchen in einem Wok oder einer großen, hohen Pfanne mit etwas Öl kräftig anbraten. Sie dürfen knusprig braun sein, müssen aber noch nicht ganz durchgegart sein.

Hackbällchen aus der Pfanne nehmen, warm halten und beiseitestellen, das Öl kann für das Shakshuka im Wok bleiben.

Für das Shakshuka:

  • 1 Zwiebel oder 2-3 Schalotten
  • 1 Knoblauchzehe (gepresst oder sehr fein gehackt)
  • 1 rote Paprika
  • 6-7 frische Tomaten (kurz abgebrüht und selbst geschält) oder 1 große Dose geschälte Tomaten
  • 100g Schafskäse
  • 4-5 Eier
  • 2-3 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Paprikapulver
  • Cayennepfeffer (alternativ Tabasco)
  • Salz
  • Pfeffer
  • Prise Zucke
  • Chiliflocken oder ½ Schote frisch (fein gehackt)
  • frische Petersilie, glatt (fein gehackt)

Zunächst den Backofen auf 180° vorheizen (Ober- und Unterhitze).

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken.
Paprika in feine Streifen schneiden.

Das Olivenöl in den Wok oder die hohe Pfanne geben und erhitzen. Darin die Zwiebeln und die Paprikastreifen andünsten, bis sie weich sind. Dann den Knoblauch dazugeben und ebenfalls andünsten.

Die geschälten Tomaten dazugeben, mit Paprikapulver, Cayennepfeffer und Chilli würzen. Alles zusammen ca. 10-15 Minuten köcheln, bis die Tomaten schön weich sind. Gelegentlich umrühren. (es darf aber ruhig auch mal am Pfannenboden einwenig ansetzen)

Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und die Hackbällchen dazugeben. Noch einmal ca. 5 – 10 Minuten min köcheln lassen.

Den Schafskäse in kleine Würfel schneiden und über dem Gemüse verteilen.

Die Eier aufschlagen und (wie Spiegeleier) auf dem Gemüse verteilen.

Die gesamte Pfanne in den Ofen geben und für ca. 10min backen – so lange bis das Eiweiß gestockt ist – das Eigelb aber noch etwas flüssig ist.

Aus dem Ofen nehmen, mit der frischen Petersilie (fein gehackt) bestreuen und direkt in der Pfanne servieren.

Dazu passt am besten frisches Landbaguette (und Rotwein).

Wir haben uns Teller und Besteck gespart – und direkt mit dem Löffel aus der großen Pfanne gegessen.

Ich sag nur: „geiles Essen“ und lasst es Euch schmecken!

Zu dritt ist es eine Party

„oh ja, so will ich leben. Wild & geil.“

„genau. Hauptsache frei, unbeschwert und nur das machen, was ich will.“

Erinnert Ihr Euch? War es bei Euch auch so?

Bei mir jedenfalls war es so – Hauptsache nicht spießig. Und total aufregend musste alles sein. Frei und unbeschwert.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wollten wir alles Geld zusammen schmeißen und einfach losfahren. Den ganzen Tag Musik, wahnsinnig kreative Projekte, immer und überall Sex, fremde Länder und Kulturen erobern, geiles Essen, am Strand schlafen. Sowas.

Laut google maps sind wir genau 451 m weit gekommen. Ich müsste das tatsächlich mal nachmessen. Mach ich auch – wenn es nicht mehr regnet.

Die große Reise hat uns also in das Haus mit dem blauen Zaun geführt.

Damit hatte sich das mit dem Geld zusammen schmeißen auch erledigt – zumindest hat es jetzt die Form von Ziegelsteinen. Und die stehen hier seit mehr als 100 Jahren und wollen nicht an den Strand.

Plötzlich machst Du dir Gedanken über Deinen Vorgarten, schließt Lebensversicherungen ab und hast ein überschaubares Monatsbudget. Ich höre meine Eltern schon kichern.

Aber egal – wir sind ja immer noch die alten, wild & geil. In diesem Haus wird es rauschende Partys geben. Ein Haus der offenen Türen soll es sein. Und wenn die Terrasse erstmal gepflastert ist, gehen wir wieder auf Reisen.

Die Terrasse ist seit einem Jahr fertig. Fast genau so lange können und dürfen wir nicht reisen – es sei denn, wir haben Lust auf Urlaubserinnerungen auf der Intensivstation. Und ganz so unbeschwert und cool sind wir dann irgendwie doch nicht.

Zusammen mit den Reiseeinschränkungen hatte sich das mit den rauschenden Partys auch erledigt. Stattdessen gibt es home-office, Kontaktsperren und einen Wechsel beim Strom- und Gasversorger.

Die Erkenntnis kommt nicht plötzlich, vielmehr weht sie ganz langsam zu Dir herüber wie der Duft von frisch gebackenem Kuchen: die größte Reise ist die zu Dir selbst.

Ein gutes Bett kostet mindestens so viel, wie eine Reise nach Bali. Und irgendwann erinnerst Du dich auch daran, dass es am Strand viel zu hart und unbequem ist, um dort zu schlafen. Jedenfalls schläft es sich in einem guten Bett viel viel besser. Und auch andere Dinge sind wilder & geiler als mit Sand dazwischen.

Statt rauschender Partys gibt es im Haus mit dem blauen Zaun plötzlich regelmäßig gutes, selbstgemachtes Essen. Der Besuch von guten Freunden ist eher selten aber wertvoll. Und wenn erstmal Ruhe eingekehrt ist, bist Du plötzlich viel kreativer und produktiver als je zuvor.

Acht Wochen später:

Die geliebte Hausbesetzerin macht sich ernsthaft Gedanken darüber, ob das Spielzeug vielleicht zu klein ist und verschluckt werden könnte. Wir geben uns gegenseitig updates über Häufigkeit, Konsistenz und … naja, egal. Alle Kabel, Bücher und losen Gegenstände werden in mindestens 1,5m Höhe deponiert. Das Monatsbudget wird für ausgesuchte Leckereien klaglos überzogen. Und selbstverständlich gibt es auch gleich neue Versicherungen und diverse Ratgeber werden gelesen.

Seit Karl in das Haus mit dem blauen Zaun eingezogen ist, ist es hier auch wieder „wild“. Wilde Tobe-Partys auf dem Teppich, wilde Verfolgungsjagden im Garten und wilde Schmuseattacken überall.

Und ganz ehrlich – es ist total geil, zu dritt den letzten Rest der Pandemie zu meistern. Wir werden wieder reisen und zu dritt am Strand laufen. Und wir sind endgültig Herr und Frau Mustermann geworden – so wie jeder andere hier im Dorf auch irgendwie. Jeder auf seine Weise. Und das ist gut so.

(Und deshalb wird es hier ab sofort auch regelmäßig Hunde-Content geben 😉)

Ich freue mich, wenn es regnet …

… denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.

Es gibt unendlich viele Gründe, schlechte Laune zu haben: Das Wetter, der eigene Kontostand, der böse Nachbar, die nicht enden wollenden Corona-Einschränkungen, der nervige Job ….

ABER: die schlechte Laune macht diese Dinge auch nicht besser, ganz im Gegenteil.

Deshalb halten wir für Euch heute ein Plädoyer für die Hoffnung und eine gute Grundstimmung.

Wichtige Anmerkung:
Selbstverständlich gibt es Lebensumstände, auf die der folgende Text nicht zutrifft. Schwere Krankheiten, Not, der Verlust von Angehörigen oder andere persönliche Situationen können dazu führen, dass der folgende Text unangemessen wirkt. Solche Umstände sind mit dem folgenden Text ausdrücklich NICHT gemeint.

Der folgende Text ist die persönliche Meinung des Autors und lediglich als Denkanstoß gemeint.

Jeder kennt diese Menschen: egal was passiert, sie lächeln, haben gute Laune und sehen in jeder beschissenen Situation auch noch das Positive. Wie machen die das?

Zunächst einmal: auch diese Menschen sind mal traurig, verzweifelt oder schlecht gelaunt. Aber viel seltener. Und wenn, dann eher still. Sie tragen ihre Sorgen nicht zu Markte. Und das ist ein guter Anfang: denn je mehr man über große und kleine Missstände spricht, desto größer und mächtiger erscheinen sie. Deshalb

Tipp 1:
Sprich nicht dauernd darüber, was gerade nicht gut läuft oder Dich stört. Besprich Deine Sorgen regelmäßig (aber nicht jeden Tag) mit wenigen, engen Vertrauten.

Ist es nicht total schön und angenehm, wenn man mit einem Lächeln durchs Leben geht?! Wir alle lieben dieses Gefühl. Die gute Nachricht ist: Gute Laune kann man sich selbst verordnen.

Die meisten von uns achten darauf, dass wir uns morgens die Zähne putzen, etwas ordentliches anziehen, das Bett gemacht ist und ab und zu räumen wir sogar die Wohnung auf. Macht uns das Spaß? Nö! Und trotzdem machen wir es – weil es ja sein muss. Wir sind mehr oder weniger diszipliniert.

Wie wäre es, wenn wir auch mit unserer Stimmung ein wenig diszipliniert sind? Auch wenn es manchmal schwerfällt: lass uns beschliessen, dass wir gute Laune haben und machen es dann einfach. So wie wir die Spülmaschine ausräumen, obwohl wir dazu gerade gar keine Lust haben.

Tipp 2:
Gehirnforscher haben herausgefunden, wie man sein Gehirn bei schlechter Laune überlisten kann: durch Grinsen bzw. bewusstes Lächeln. Such Dir für 90sek. einen Ort, an dem Dich niemand sehen kann und grinse. So richtig breit, über das ganze Gesicht. Die Muskeln, die Du dafür brauchst, senden dem (schlechtgelaunten) Gehirn die Botschaft: „ich freue mich“ und überlisten es dadurch. Probier es aus, nach mind. 90sek grinsen wird sich Deine Stimmung langsam verbessern. Wirklich!

Ob Zeitung, Fernsehen oder online: die Nachrichten sind voll von Problemen, Skandalen oder sogar Katastrophen. Klar – schlechte Nachrichten und Aufreger erhöhen die Auflage und verkaufen sich besser. Aber das musst Du nicht mitmachen. Niemand zwingt Dich, jede Nachrichtensendung zu schauen oder jeden Artikel zu lesen.

Dasselbe gilt auch für die sozialen Medien. Du musst nicht jeden geteilten Link lesen oder kommentieren, Du musst auch nicht alle Kommentare lesen. Es tut gut, Nachrichten auf das Wichtigste zu reduzieren und nicht jede Diskussion mitzumachen.

Dadurch sparst Du sogar Zeit. Diese Zeit könntest Du nutzen für Dinge, die wirklich gute Laune machen und Hoffnung geben.

Und ganz ehrlich: durch die Corona-Einschränkungen haben wir doch gerade viel Zeit, oder?!:

  • Raus in die Natur

Spaziergänge in der Natur mit einem wachen Blick. Schau dir die Entwicklung an. Achte auf Tiere und Pflanzen – jeden Tag die gleichen. Dann wirst du die Veränderung oder auch die Beständigkeit wahrnehmen. Zudem steigert Zeit an der frischen Luft das Wohlbefinden. Vielleicht triffst du sogar ein paar nette fremde Personen, mit denen du auch auf Abstand in ein spannendes Gespräch kommst.

  • Eine aufmerksamere Gesellschaft

Soll ich meinen alten Nachbarn etwas vom Markt mitbringen? Fege ich für meine Nachbarn den Bürgersteig mit? Geht es meinen Freunden gerade gut? Was macht eigentlich meine Oma so ganz allein? Sollte ich ihr ein Paket zur Freude senden? Viele beantworten diese Fragen jetzt ohne Zucken und gehen aufmerksamer mit der Freundschaft, Familie und Nachbarschaft um. Nutze auch Du die Zeit, anderen etwas Gutes zu tun. Damit tust Du Dir selbst ebenso etwas Gutes.

  • Kreative Stunden genießen

Wir haben wieder die Zeit einem Hobby nachzugehen – Malen, Basteln, Handwerkeln, Gesellschaftsspiele, Garten, Tiere, Fahrzeuge, Kochen, Backen… was auch immer. Die Menschen werden wieder kreativ.

  • Dinge erledigen

Es macht nachweislich zufrieden, wenn Du Dinge erledigst.
was wolltest Du schon lange mal machen? Welche Projekte warten darauf, endlich umgesetzt zu werden? Schreibe sie auf eine Liste und fang an. Einfach machen. Du wirst sehen, wie gut es tut, Dinge auf der Liste abzuhaken.

Vielen Menschen fehlt in dieser Zeit die Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass die Einschränkungen bald vorbei sind, die Hoffnung, dass alles so wird „wie früher“, die Hoffnung auf …. Ja, worauf eigentlich?

Es gibt Grund zur Hoffnung – jeden Tag! Die Hoffnung kann ganz konkret sein oder auch allgemein und ohne konkretes Thema.

Es geht immer weiter, egal was passiert. Wir Menschen haben in der Geschichte schon soviele Dinge gemeistert. Zwei schlimme Kriege, die Pest, die spanische Grippe, Weltwirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen. Das war alles schlimm, sehr schlimm sogar!

Und trotzdem: irgendwann wurde es besser, war es überstanden und hat zu dem guten Leben geführt, welches wir kannten.

So wird es auch diesmal sein. Es dauert manchmal länger und man braucht Geduld. Aber eins ist sicher: nichts bleibt für immer, egal wie schlimm es gerade ist.

Schau mal: in Rekordzeit wurde ein wirksamer Impfstoff gegen Corona entwickelt. So etwas dauert normalerweise viele, viele Jahre. Wir haben es in knapp 1 Jahr geschafft. Ja – es dauert nun etwas länger als gedacht, bis wir alle geimpft sind. Aber das Schaffen wir auch noch, mit etwas Geduld und Zuversicht.

Viele alte Gewohnheiten sind durch den Lockdown und die Schutzmaßnahmen nicht mehr möglich. Wir alle vermissen es, ins Restaurant zu gehen, Freunde zu umarmen, Konzerte zu besuchen und vieles mehr. Jeder hat seine ganz persönlichen, lieb gewonnenen Dinge, die es plötzlich nicht mehr gibt.

Aber wie wäre es, wenn Du einfach neue Gewohnheiten entwickelst? Die alten haben ja irgendwann auch einmal angefangen, bevor sie selbstverständlich wurden. Also: mach was Neues, lass es zur Gewohnheit werden und freue Dich darüber, dass Du die Möglichkeit dazu hast. Zum Beispiel der regelmäßige Spaziergang in der Natur, kochen für und mit der Familie, das neue Hobby, das regelmäßige Telefonat mit dem besten Freund oder der Oma, Bücher lesen und vieles mehr.

Wir finden, die neuen Gewohnheiten sind mindestens ebenso schön wie die alten!


Was Du noch alles tun kannst, um Hoffnung und gute Laune zu bekommen:

  • Lies ein gutes Buch.
  • Treibe Sport, bewege Dich mehr als sonst.
  • Lerne eine neue Sprache, irgendeine.
  • Denk über ein Problem nach und löse es
  • Viel mit Freunden oder Familie telefonieren. Besser noch: Gespräche mit den Nachbarn über den Gartenzaun oder von Balkon zu Balkon.
  • Räume auf –> Ausmisten und Ordnung befriedigen den inneren Monk in Dir. Verschenke das, was du selbst nicht mehr brauchst und jemand anderes freut sich darüber.
  • Male etwas. Auch wenn Du nicht malen kannst – male etwas. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn Du nicht willst.
  • Schreibe einen Brief oder eine Postkarte an jemandem, dem Du noch nie geschrieben hast (jeder freut sich darüber).
  • Führe Tagebuch (richte hier den Blick auf: Was war heute gut? Wie war meine Stimmung? Was hat es mit mir gemacht?).
  • Schütze Dich vor Energiefressern: Manche Dinge geben einem nichts. Dann lass sie bleiben.
  • Nimm dir bewusst Zeit nur für Dich (ein langer Spaziergang allein, ein Vollbad, ein Zimmer für dich).
  • Baue etwas selbst, was du sonst kaufen würdest.
  • Repariere etwas, statt es wegzuschmeißen.
  • Mach ein Lager-Feuer.
  • Geh dein Blut spenden.
  • Suche Zitate zu deinen Stimmungen, halte sie in deinem Tagebuch fest.
  • Freue dich bewusst über das Glück von anderen.

Zitate:

“Es ist die Hoffnung, die den schiffbrüchigen Matrosen mitten im Meer veranlasst, mit seinen Armen zu rudern, obwohl kein Land in Sicht ist.” (Ovid)

“Solange ich atme, hoffe ich.” (Marcus Tullius Cicero)

“Bist du weise, so mischst du das eine mit dem anderen und wirst weder hoffen ohne zu zweifeln, noch verzweifeln ohne zu hoffen.” (Seneca)

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