Die Bank

Ui, das war knapp! Beinahe wäre die ältere Dame auf dem Gehweg mit dem entgegenkommenden Kinderwagen zusammengestoßen. Gerade noch rechtzeitig konnten sie selbst und der Wagenschiebende Vater ihre Augen von unserem Haus lösen. Genauer gesagt, von dem was hier hinter den Fenstern passiert.

„das ist aber schön mit den Kerzen im Fenster“ mag sie sich gedacht haben.   

„die beiden sind wohl nur noch im home-office, da kann man schon neidisch werden“ könnten seine Gedanken gewesen sein.

Das Kind im Wagen hat derweil sein Kuscheltier verloren, direkt am blauen Zaun. Naja, immerhin gab es keine blauen Flecken, sondern nur einen kurzen Plausch neben selbigem.

Dass die Blicke dabei immer wieder ungeniert zu mir ins Fenster schweifen, muss wohl so sein. Die wichtigsten Fragen sind ja auch noch immer unbeantwortet.

„Was hat das Haus denn nun gekostet? Meinen Sie wirklich ….“

„Er macht ja auch diesen Talk, aber wo arbeitet sie noch gleich?“

„ganz schön groß das Haus zu zweit, es dauert bestimmt nicht mehr lange….“

Irgendwann setzen beide ihren Spaziergang unfallfrei fort, ein letzter kritischer Blick in den Vorgarten und weg sind sie.

Ich bleibe zurück und bin amüsiert. Das Haus mit dem blauen Zaun zieht Blicke magisch an. Praktisch jeder, der hier vorbei geht, schaut kurz herein. Die Blicke sind mal neugierig, mal herzlich warm, mal neidisch, mal fragend.

Wie gerne wüsste ich, was Euch so beschäftigt, wenn ihr hier vorbei geht und schaut.

Und wie es der Zufall will, werde ich das vielleicht bald wissen.

Vor ein paar Tagen wurde ich gebeten, alten Krimskrams bei meinem Vater zu entsorgen. Dabei fiel mir eine wunderschöne, alte, schmiedeeisernde Bank in die Hände. Einziges Manko: die Füße sind grün. Aber mit Pinsel und blauer Farbe kann ich wohl umgehen.

Die Bank zieht also um, zu uns in das kleine Dorf. Da steht sie nun zunächst in der Auffahrt und weiß nicht recht wohin. Gemütlich ist sie ja, stelle ich nach ein, zwei Feierabend-Zigaretten fest. Und dann fällt es mir wieder ein: vor praktisch jedem Haus im Ort steht eine Bank. Mal stehen die Töpfe mit den Geranien darauf, mal ist der Gartenschlauch kunstvoll um die Lehne gewickelt, mal blättert die Farbe ab. Die allermeisten Bänke sind übrigens weiß. Ganz selten sitzen auch die Bewohner des Hauses auf der Bank. Meist sind es ältere Damen. Egal, unsere neue alte Bank musste auch vor das Haus.

Nun war es leider so, dass dicke, alte Büsche die Herrschaft vor dem Haus innehatten. Die mussten erstmal weg. Die Heckenschere und ich haben den Kampf gewonnen, die Büsche landen auf dem Anhänger. Aber was ist das: da ist noch Platz auf dem Anhänger. Halbvoll kann man nicht zur Deponie fahren, das ist ein Naturgesetz.

Also müssen die Wurzeln auch noch raus, sie werden die Ladefläche ausfüllen.

Nach Stunden des Kampfes gegen die alte, stachelige Herrschaft ist es geschafft: der Anhänger ist voll und im Vorgarten klafft ein herrliches Loch. So ein schönes, großes Loch.

NATÜRLICH habe ich es am nächsten Tag nicht geschafft, mich um das klaffende Loch zu kümmern. Und am Tag darauf und darauf auch nicht. Sehr zur Freude der liebsten Hausbesetzerin neben mir.

Aber ich habe einen Plan: das große Loch wird eine kleine Terrasse und darauf steht eine Bank. Ja genau, DIE Bank.

Ich habe noch nie in meinem Leben eine Terrasse gepflastert. Aber ausmessen, rechnen und genau 256 Steine kaufen, das kann ich. Den Rest übernimmt ein guter Freund aus der Nachbarschaft und keine 48 Std. später ist sie da – die Basis für alle noch offenen Fragen.

Seit heute also haben wir eine Bank vor dem Haus. Und wir werden da sitzen. Man könnte auch sagen „ab heute wird zurück beobachtet“.

Also liebe Spaziergänger, Nachbarn, Freunde, Neugierige oder Vorbeihuscher: ab heute sehen wir Euch auch. Wir werden Euch genauso liebevoll beobachten und dabei denken „ach, ihn habe ich ja auch schon lange nicht mehr gesehen“. Vielleicht rutscht auch mal ein „sie ist aber spät dran heute“ in unsere Gedanken?

Aber wir sitzen da nicht einfach so rum. Denn wer auf der Bank vor dem Haus sitzt, ist quasi gesprächsbereit. Ist es nicht so? Und wenn ihr sonst nur versucht habt, durch die noch immer nicht geputzten Fenster etwas zu erkennen, könnt Ihr uns jetzt direkt fragen. Einfach so. Weil da jetzt eine Bank steht. Ist das nicht toll? Ich finde ja!

Autor: Björn Pamperin (die-platzbesetzer.de)

Pirat, Autor, Freigeist, Chaot, Monk, kreativer Kopf, Wildfang .... stimmt alles gar nicht und irgendwie doch. Was ich am wenigsten mag, sind Schubladen. Dafür mag ich um so mehr Freiheit, Neugierde, Sonne, das Meer, meine Prinzessin, meine Kinder, das Unbekannte und gutes Essen. Kommt mit auf unsere Reise. Hier wird es bunt und launig, manchmal schräg und launisch. In jedem Fall aber echt und ehrlich. w www.die-platzbesetzer.de und die wohnen hier ww.dashausmitdemblauenzaun.de

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