Runter vom Sofa (15): Eat, Sleep, go fishing

Karl ist total genervt.

„Da steht der Alte nun seit fast einer Stunde auf dem Steg und fuchtelt mit so einem langen, dünnen Stock umher. Ich will doch viel lieber laufen und toben und spielen. Und wenn er das nicht will, dann will ich doch wenigstens um ihn herum tippeln, sehen was er da macht, ihm irgendwas wegschnappen und darauf rumkauen und mich dann hinsetzen und gelangweilt gucken. Aber ich trau mich nicht. Ich trau mich einfach nicht, auf diesen klappernden Steg zu laufen – ihm hinterher. Wer weiß, was da alles passieren kann. Ach menno.“

Als ich mich kurz umdrehe, sitzt Karl am Ufer, genervt, gelangweilt und irritiert. Auf den Steg hat er sich nicht getraut, so sehr ich ihn auch ermuntert habe.

Aber ich kann ihn verstehen, auch ich bin irritiert. Vielleicht sogar ein bisschen genervt. Seit mehr als einer Stunde stehe ich hier im Morgengrauen mit meiner Angel – und habe immer noch nichts gefangen. Das geht schon seit Tagen so. Dabei habe ich alles ausprobiert, was mir so einfiel.

Der Blinker verheddert sich im Kraut, genau wie der glitzernde Gummifisch. Der See ist recht flach hier vorne, zu flach für einen ordentlichen Hechtköder.

Na gut, dann eben klassisch mit Haken und Pose. Als erstes versuche ich es mit Brot. Das hat früher immer geklappt. Schön einweichen, ausdrücken, kleine feste Kügelchen formen und zack…..

… im Wasser aufgelöst und vom Haken gefallen.

Nagut, ich hab ja hier auch nicht ewig Zeit, also Garnelen von gestern. Die finden Raubfische auch lecker. Davon habe ich mir vorsorglich 2 kleine Exemplare aufgehoben. Eine davon wird fein säuberlich über den Haken geschoben und siehe da ….

… die Fische springen offensichtlich um meinen Köder herum, interessieren sich aber einen Sche*** dafür. Das Gleiche mit Fleischwurst. Egal wie hübsch die kleinen Streifen sind, die ich geschnitten habe. Totale Ignoranz.

Mais! Mais geht immer. In der Suppe, zu Hühnchen, auf dem Grill und auch zu Fisch. Außerdem leuchtet Mais so schön im Wasser und irgendwo habe ich mal gelesen, das sei wichtig. Wie es der Zufall will, haben wir eine kleine Dose Mais an Bord und bei der „wir-essen-alle-Vorräte-auf“ Aktion wohl übersehen.

Nicht zu übersehen ist, dass sich mit den Maiskörnern am Haken plötzlich etwas bewegt. Es zuckt und zuppelt, die Pose tanzt und dann ….. Ruhe. Ungeduldig, wie ich bin, hole ich die Angel ein und meine Theorie hat sich bestätigt. Mais geht immer. Auch bei den Fischen. Sie fressen ihn sogar fein säuberlich vom Haken, ohne sich daran zu erhängen. Mist! Das geht dann noch drei-vier mal so, bis ich keine Lust mehr habe.

Ich packe zusammen, mache mir noch einen guten Kaffee und frühstücke in der Sonne. Heute ist ein ganz besonderer Tag und deshalb ist es nicht unhöflich, wenn ich schon mal anfange und die geliebte Reiseleitung weiter schlafen lasse. Außerdem gibt es Torte zum Frühstück. Da bin ich mir gar nicht sicher, ob … naja, egal.

Irgendwann kommt auch die Schlafmütze ans Tageslicht, welches inzwischen gleißender Sonnenschein ist. Wir gehen schwimmen, lungern auf dem Sofa in der Sonne, essen uns quer durch unsere Beute aus dem Supermarkt. Satt und müde gibt es einen Mittagsschlaf, bevor sich der Tag seinem Höhepunkt nährt. Wir hatten uns für den Nachmittag ja ein Boot reserviert, und diesmal, jaha – diesmal! Ich werde da draußen das Abendessen fangen. Wer braucht schon einen Elch im Wald, wenn er Hecht, Zander und alle anderen Fische im Überfluss auf dem Grill haben kann?!

Wir fahren hinaus, alles ist perfekt, sogar kaltes Bier haben wir dabei.

„was wollen Männer eigentlich beim Angeln?“

„ihre Ruhe“

„und Fische auch?“

„ja“

„aber vor allem ihre Ruhe?“

„genau“

„hmm“

„…“

„…“

mir ist langweilig“

„…“

laaaaaaangweilig, langweilig, langweilig

O.k., nach etwas mehr als 30min fährt ein kleines Boot mit zwei Campern, einer Dose Mais, zwei leeren und zwei vollen Flaschen Bier und keinem Fischen an Bord zurück zum Steg. Etwa 10m vor dem Steg wechselt die Stimmung meiner Crew von gelangweilt/genervt zu fröhlich/hibbelig. Sie springt vom Boot, winkt mir kurz aber fröhlich zu und stößt das Boot wieder ab Richtung See.

„Ich kann ja heute mal den Grill anheizen, wenn Du schon den Fisch fängst.“ sprach es und lachte sich kringelig.

Irritiert, aber nicht unzufrieden, fahre ich wieder hinaus, diesmal auf die andere Seite Richtung Schilf. Ich genieße die Ruhe, trinke kühles Bier, sehe einen Fuchs auf einem Felsen umherklettern, treibe im leichten Wind über den See, werfe die Angel aus, hole sie wieder ein, werfe sie wieder aus… und nach etwa drei Stunden habe ich kein Bier mehr, einen leichten Sonnenbrand, Hunger und nichts gefangen.

Stop – das stimmt so nicht ganz. Bei einem meiner Versuche im Trüben zu fischen, hat sich eine wunderschöne Muschel am Haken verfangen. Und da ich für die schönen Dinge des Lebens sehr viel übrig habe, freue ich mich darüber, werfe sie zurück ins Wasser und fahre zufrieden an Land. Ein ganz klein wenig mag meine Zufriedenheit trotz Anglerpech auch damit zusammenhängen, dass ich weiß, was im Kühlschrank liegt: ein riesiges Steak, Maiskolben und andere, schwedische Leckereien.

Übrigens habe ich es genau beobachtet: ich war ja nicht der Einzige, der gestern und heute hier mit dem Boot rausgefahren ist. Niemand, wirklich niemand hatte einen Fisch dabei, als er zurückkam. Ich glaube, das ist genau wie mit den Elchen. Perfekt inszeniert, dramatisch aufgebaut und zu einem perfekten Verkaufsschlager weiterentwickelt. Aber in Wirklichkeit gibt es in Schweden weder Elche noch Fische. Alles nur billige Reklame. Pah! Typisch, diese Werbefuzzis!

Inzwischen ist es nicht mehr ganz so ruhig und einsam an unserem See. Neben den ebenfalls erfolglosen, schwedischen Anglern kommen Familien zum Picknick, zwei Camper und ein Zelt sind ebenfalls dazu gekommen.

Beim letzten Rum des Abends beschließen wir, am nächsten Tag langsam Richtung Heimat zu schaukeln.

Inzwischen haben wir Routine. Nach einer erholsamen Nacht, einem kleinen Frühstück und langen Spaziergang mit Karl durch den Wald, bin ich mir sicher: Elche (und Fische) gibt’s hier gar nicht. Dann können wir ja auch los. Knapp 30min später ist alles gepackt, Walter schnurrt und Karl schläft. Wir sind also wieder unterwegs.

An diesem Abend bleiben wir noch eine Nacht auf einem Campingplatz ganz im Süden von Schweden. Der Campingplatz ist voll, bumsvoll, sauber, unspektakulär. Wir tun, was wir ab und zu tun müssen: Ver- und Entsorgen, Duschen – „clean up all your systems“.

Am nächsten Tag geht es munter weiter, wir kommen gut voran und erreichen Dänemark schon am frühen Nachmittag. „Super, jetzt wo wir nach Hause fahren, wissen wir wie es geht – ohne Stress“ stellt die geliebte Fahrerin fest, kurz bevor wir ankommen.

„meinst du, das können wir uns bis zum nächsten Mal merken?“

„Nö“

Nagut, dann genießen wir eben heute den stressfreien Tag und die frühe Ankunft auf unserem Stellplatz – direkt am Meer mit einem fantastischen Blick über die Ostsee.

Wir sitzen in der Sonne und langweilen uns ein wenig. Das ist nicht schlimm, wir haben uns ja genug Geschichten aus den letzten zwei Wochen zu erzählen. Dabei stellen wir fest, dass wir – anders als noch vor ein paar Tagen – nicht sofort bei nächster Gelegenheit zurück nach Schweden fahren wollen, um das Verpasste nachzuholen.

„Lass uns anderswo neue Katastrophen erleben“ schlägt die geliebte Platzbesetzerin vor. Noch bevor ich zustimmen kann, rollt ein funkel-niegel-nagel-neuer Van auf den Platz und hält genau neben uns. Es dauert ewig, aber irgendwann steigt ein feiner, graumelierter Herr aus. Gebügelte Jeans, feines, blau-weiß-kariertes Hemd, säuberlich in die Jeans gesteckt. Etwa Mitte vierzig. Die ebenfalls graumelierte Dame, die ihm folgt, sieht älter aus. Ist es aber wahrscheinlich nicht.

In jedem Fall ist dieser Van noch nicht alt – keine zwei Tage schätze ich ist es her, dass er in Wolfsburg vom Band gelaufen ist. Das dunkle Rot glänzt, die schwarzen Reifen wirken wie angemalt, so sauber und staubfrei sind sie. Auf einem mächtigen Träger am Heck steht eine funkel-niegel-nagel-neue Vespa, sie hat exakt die Farbe des Vans und an den Reifen erkenne ich noch die gelben Kontrollzippel aus Gummi. „diese Vespa ist noch keine 50m gefahren“ schließe ich eine Wette ab.

Als das feine Pärchen die Seitentür aufschiebt, kann ich einen Blick in den Innenraum erhaschen. Irgendwie fühle ich mich plötzlich sehr jung und sehr verwegen. Es ist ja nicht so, dass wir Ordnung nicht mögen. Aber da drüben könnte man eine Blinddarm-OP durchführen. Gleich jetzt und hier.

Wir tasten uns kurz unseren Bauch ab. Nein, keine Schmerzen. Der Blinddarm bleibt drin. Dafür knurrt es beim Drücken bedrohlich, Zeit für ein üppiges Abendessen aus allem, was wir noch so haben. Und ebenjenes stapeln wir kreuz und quer auf unseren kleinen Klapptisch, so dass es an den Seiten fast herunter fällt. Wir genießen den Querfraß, während nebenan gerade ein Kamillentee in der Porzellankanne aufgegossen wird.

Runter vom Sofa (14): (k)einen Elch erlegt

Wir lernen ja auch dazu. Und so kam es, dass ich an der Reception des Campingplatzes nach einem Tagespass fragte. Nun baue ich im englischen keine fein ausformulierten Akademiker Sätze, aber bislang hat es in allen Hafenkantinen gereicht, um zu bekommen, was ich wollte. Und hier in Schweden hat es sich mitunter sogar zu einem netten Smalltalk entwickelt.

Also, ich sag mal daran lag es nicht, dass der sehr freundliche Schwede hinterm Tresen dreimal nachfragte, ob wir wirklich nur 2 Stunden bleiben wollen. Grauwasser und Kassette entleeren, Frischwasser und Strom tanken, duschen. Mehr brauchten wir gerade nicht, und das gerne schnell. Wir hatten ja einen reservierten Traumplatz, zu dem wir so schnell wie möglich zurück wollten.

„ok, ok, clean up your systems and have a nice day” gab er irgendwann auf, mich zu einer Übernachtung überreden zu wollen. Übrigens eine unserer besseren Entscheidungen auf dieser illustren Reise.

Während ich mich um das Grobe kümmere, packt die geliebte Platzbesetzerin schon mal ihre sieben Sachen zusammen und geht duschen. Ich drücke ihr noch schnell vier 5-Kronen-Stücke in die Hand (übrigens das einzige Mal überhaupt, dass wir Bargeld brauchten), denn die braucht es hier offensichtlich zum Duschen.

Alle Tanks sind gefüllt, nur der Laptop braucht noch 20min zum Aufladen, als mich von hinten ein frischer Duft anweht. „ui, was….“ weiter komme ich nicht. Sie gackert und giggelt und kommt gar nicht dazu mir zu erzählen, was eigentlich los ist. „genau so stelle ich mir die Duschen im Schwimmbad von Eis am Stiel vor“

„Hä?“

„schau es dir selbst an! Ach ja, du hast genau 3,5 Minuten, die anderen Münzen brauchte ich leider“ und verschwindet kichernd im Walter.

Ich wollte mir das gar nicht anschauen, ich wollte eigentlich nur wissen, warum sie Eis am Stiel kennt. Aber da sie nun schon weg ist, kann ich ja mal duschen – und gucken – gehen.

Noch bevor ich etwas sehen kann, habe ich einen Geruch und Bilder meiner Kindheit vor Augen: Trainingslager und Gemeinschaftsduschen. Diese Mischung aus Chlor, Muff und alter Seife. Im Raum vor mir ist die Zeit stehen geblieben – irgendwann in den 70ern. Alte, abgebröckelte Fliesen, Duschkabinen aus Leichtbau-Quitsch-ich-weiß-nicht-was-für-Material-die-damals-genommen-haben. Natürlich beginnen die Kabinenwände erst 20cm über dem Boden und sind gerade eben so hoch, dass ich nicht mehr drüber schauen kann.

Die Kabinen selbst sind wirklich gerade so groß, dass man darin duschen kann, zum Umziehen stehen zwei weiße Plastikstühle im großen Raum davor. An der Wand eine abenteuerliche Verkabelung – und drei Münzautomaten mit den Nummern 1, 2 und 3. Bei genauem Hinschauen lassen sich diese Nummern dann auch auf den Türen der Duschkabinen erahnen.

Drei Waschbecken auf der anderen Seite, metallisch angelaufene Spiegel, bei denen immer unten diese eine Ecke abgesplittert ist. Kann mir mal jemand sagen, warum?

Ach ja, und in der Ecke, neben dem einen Plastikstuhl, rumpelt ein Luftentfeuchter.

Habt Ihr schon mal versucht, im Nieselregen zu duschen? Da holst Du dir eine Erkältung, aber nicht den Dreck vom Körper. Für eine 5 Kronenmünze gibt es exakt 3,5 Minuten und 1,5 Liter lauwarmes Wasser. Dafür musst Du aber erst die Münze in den passenden Automaten werfen und möglichst schnell zu der (deiner) Kabine zu laufen. Nackt. Auf alten Fliesen.

Weniger erfrischt, dafür um so mehr amüsiert, kehre ich zur Mannschaft zurück und verkünde, dass ich mich nie wieder gegen den Aufenthalt in einem Campodrom oder anderen Fünf-Sterne-Camping-Plätzen wehren werde. Auch wenn der Tagespass dort wahrscheinlich das fünffache kostet.

Egal! Walters und unsere Systeme sind clean, Strom und Wasser reichen wieder für mind. 3 Tage, los geht’s!

Unser nächstes Ziel: ein großer Supermarkt. In den letzten Tagen haben wir den perfiden Plan ausgeheckt (und tatsächlich umgesetzt), alle mitgebrachten und vorhandenen Vorräte aufzuessen, damit wir jetzt mal so richtig eskalieren können.

Unsere Empfehlungen für einen typischen B&S Einkauf in Schweden:
Aber Vorsicht – all das folgende Zeug macht süchtig.

  • Kalles Kaviar
    eine salzige, perverse Fischcreme. Perfekt zu Ei, Käse und überall drunter
  • Ost – MildOst oder RökOst
    noch perverser, noch geiler: Schmelzkäse aus der Tube, klassisch oder mit Garnelen.
    Gibt es auch mit Bacon, Dill, Paprika oder Schinken.
  • PolarBröd
    Entweder das klassische (Knäcke) oder alle anderen Varianten, z.B. soft für Wraps o.ä.
  • Filmölk
    Ein ganz besonderer Joghurt/Kefir-Drink. Unser Favorit: Erdbeer-Blaubeere
  • Marabou-Schokolade
    einfach alle Sorten, egal. Unser ABSOLUTER Favorit: Fransk Nougat

Auf dem Rückweg gibt es natürlich noch eine Zimtschnecke auf die Hand, vollbeladen und glücklich kommen wir wieder an unserem Stellplatz an. Ganz ohne Zwischenfälle und deutlich vor Einbruch der Dunkelheit.

Der reservierte Platz liegt da wie das Handtuch am pool. Gut so – denn inzwischen ist ein weiterer Camper auf den Platz gekommen und ich bin mir sicher, er hätte lieber unseren Platz in 1-A-Lage gehabt. Hätte ich in den letzten Tagen aber auch gerne ein paar Mal, deshalb gibt’s heute kein Mitleid und kein schlechtes Gewissen.

Stattdessen soll es Pilze geben. Irgendwie steckt in meinen Genen noch der Jäger und Sammler. Also ziehe ich los, Schwedens Wälder plündern.

Ich streife durch einen dichten Wald, den Blick hauptsächlich zum Boden gerichtet. Der Wald ist urig und üppig: Steine, Wurzeln und umgekippte Baumstämme sind von sattem Moos überzogen, überall dort, wo ausreichend Licht hinfällt, wachsen junge Bäume, Farne und Sträucher. Die Bäume sind mächtig, kraftvoll und sattgrün. Und zwischen alledem wachsen Unmengen Blaubeeren – und Pilze. Ich bin ja der totale Pilzexperte: alles, was Röhren hat, kann man essen. Alles mit Lamellen nicht. Und Steinpilze heißen so, weil sie an Steinen wachsen. Oder wie ein Stein aussehen. Naja, wie auch immer. Ich sammele alles ein, was jung, knackig und frisch aussieht – und so ähnlich wie in den heimischen Wäldern. Nach knapp 15 Minuten habe ich eine große Papiertüte voll herrlichster Pilze.

Jetzt ist es Zeit, es sich gut gehen zu lassen, entscheide ich spontan. Ich setze mich in das weiche Moos und greife links, greife rechts, geradeaus. In alle Richtungen erreiche ich dicke, saftige Blaubeeren und esse mich daran satt.

Pilze habe ich keine gefunden, aber einen Elch erlegt

leicht genervter, ungläubiger Blick von der geliebten Platzbesetzerin.

oder umgekehrt

Als sie meine volle Pilztüte sieht, huscht dann doch so etwas wie Bewunderung durch ihr schönes Gesicht. Nur für diesen Moment machen wir Männer das doch alles, oder?!

Heute Abend soll es Pilzrisotto geben.

Also putze ich selbige so schnell es geht und springe anschließend kurz in den See.

Mit einem traumhaften Blick in die Abenddämmerung stehen wir im Walter, einen Becher Wein in der Hand und kochen. Das Risotto sieht fantastisch aus, Zeit zu probieren, ob der Reis schon durch ist. Ich reiche ihr einen Löffel und hoffe schon auf den nächsten, bewundernden Blick.

Stattdessen verzieht sie allerdings die Schnute, schüttelt sich und spuckt alles wieder aus.

das ist irgendwie bitter

das kann doch gar nicht sein“ protestiere ich, greife mir den Löffel und kann gar nicht so schnell rausspringen, wie ich das Zeug in meinem Mund wieder loswerden möchte.

Wie sich später herausstellt, gibt es ungiftige – aber ungenießbare – Pilze, die den Steinpilzen in Schweden zum Verwechseln ähnlich sehen.

Naja, da das Camperleben karg und entbehrungsreich ist, holen wir die frisch eingekauften Garnelen aus dem Kühlschrank, schenken uns Wein und der Pfanne Knoblauch ein und genießen dieses armselige Essen pünktlich zum Sonnenuntergang.

Eigentlich sollte es die Garnelen morgen geben, aus besonderem Anlass. Aber wenn es so ist, muss ich morgen wohl Angeln gehen.

Runter vom Sofa (7): Wasser marsch!

Also wäre das auch geklärt: die Schweden können nicht nur Knäckebrot, frischen Fisch und süße Plunderteilchen in Perfektion. Nein, sie können auch Gewitter, aber so richtig!

Nach dem Kulturschock auf dem MegaCampingplatz in Askim wollten wir nur eins: weg

Symbolträchtig haben wir unseren ganzen Sch… auch gleich da gelassen, also einmal ordentlich ver- und entsorgt und alle Tanks frisch aufgefüllt.

Karlchen hat sich nochmal ordentlich ins Gebüsch gehockt und dann wurde es aber auch Zeit, loszufahren. Schranke hoch, Walter durch, gute Fahrt.

Es geht Richtung Norden, an die Südspitze des Vänern-Sees. Dort soll es ein kleines, süßes Fischerdorf geben, mit ein paar Stellplätzen direkt am Hafen.

Ein kalter Entzug von dem, was wir Zivilisation nennen, war uns dann aber doch zu hart. Deshalb haben wir auf dem Weg noch schnell bei einem dieser MegaShoppingCenter angehalten. Auch bei einem reduzierten Leben muss man ja irgendwas essen. Und wenn gerade kein Wald mit Pilzen, Blaubeeren und Kräutern in der Nähe ist, können wir genauso gut unserer Lust auf geiles, abgepacktes Zucker-Salz- und Fettessen frönen. Außerdem waren wir neugierig, was man in einem schwedischen Megastore so alles entdecken kann.

Zunächst die alten Bekannten: von Nivea über Haribo, Milka, Kelloggs und Knorr gibt es hier alles, was die Supermärkte auch in Deutschland und wahrscheinlich ganz Europa dominiert.  

Aber dann wurden wir fündig, am Ende hatten wir fast nur schwedischen Schweinkram im Wagen: Schmelzkäse aus der Tube, wahlweise in den Geschmacksrichtungen Hummer, Petersilie, Elchsalami oder Bacon. Hunderte Sorten Knäckebrot, Fisch und Garnelen als Salat, Paste, in der Dose, getrocknet, geräuchert, gepökelt oder als Chips. Herrlich klebrigen Blaubeerrührkuchen. Und das Highlight: Zimtschnecken. Die Hamburger Morgenpost wählt ja jedes Jahr das beste Franzbrötchen der Stadt. Sorry, aber ihr müsst weinen gehen: diese Zimtschnecken hier vom Bäcker sind der Himmel auf Erden!

Ein Mitglied dieser illustren Fahrgemeinschaft behauptet ja, ich sei essensverliebt. Ich sag mal so: gestern Abend hatte ich eine Orgie.

Das gute daran, essensverliebt zu sein ist ja, dass man trotz unübersehbarem Bauchansatz und fettigen Fingern ständig Dates haben kann. Mein nächstes wartete schon in Spiker, dem kleinen Fischerdorf zu dem wir fahren wollten.

Als wir ankommen, finden wir einen Platz mit direktem Blick auf den kleinen Hafen. Romantisch, fast kitschig ist es hier. Da Walter, das Wohnmobil ja frisch versorgt, aufgefüllt und aufgeräumt ist, haben wir keinen weiteren Auftrag. Schnell noch die Luken auf, frische Luft reinlassen und rüber zum Hafen. Der Versorgungsbeauftragte des Nachbarcampers kommt gerade mit vollen Tüten zurück und erzählt seiner Frau, dass er viel zu viel Räucherfisch gekauft hat, aber der hält sich ja ein paar Tage.

Es gibt zu viel von irgendwas? Vor allem von Räucherfisch? Menschen sind sonderbar.

Wir schlendern durch den Hafen und sind ganz entzückt. Karlchen schnuppert voran, geradewegs zu einer kleinen Hütte mit einem vielversprechenden Schild vor der Tür. Ich kann zwar kein Schwedisch, aber der verliebte Blick eines hungrigen Kenners entdeckt sein nächstes Date auch ohne Worte.

Alter Schwede, wenn ich Walter nicht so verbunden wäre, würde ich hier einziehen: Räucheraal so dick wie mein Oberarm, Lachs so frisch, glänzend und saftig wie … egal. Dorsch, Hering und Zander in allen Variationen. Ich kann mich gar nicht entscheiden.

Zum Glück reise ich ja nicht allein, sondern die Vernunft in Form der geliebten Hausbesetzerin ist auch mitgekommen. Wir beschließen, dass der Fisch unsere Frühstücksorgie wird und es morgen früh ein Wiedersehen geben wird.

Wir schnüffeln noch ein wenig weiter durch den Hafen, als uns ein paar Tropfen treffen. Ein kurzer Blick nach oben verrät: oh ha! Während uns beim Räucherfisch das Wasser im Mund zusammengelaufen ist, haben sich da oben ganz andere Wasserquellen versammelt. Und dann geht es auch schon los, die Schleusen werden geöffnet. Wir schaffen es auf etwa 200m bis zu Walter, dann müssen wir uns in ein kleines Buswartehäuschen flüchten, wenn wir nicht wegespült werden wollen. Es blitzt und donnert, als würde Thor dort oben seine Hochzeit feiern.

Nach 20 min wage ich einen Blick aus dem Häuschen: keine Besserung in Sicht, die Party hat gerade erst begonnen.

Durch den Vorhang aus Wasser schlüpft ein freundliches Paar im besten Alter. Es stellt sich heraus, dass sie aus der Stadt kommen, in der ich großgeworden bin. Wir plaudern angeregt über die schönsten Plätze dort und in Schweden, ich bin ein wenig neidisch über die mehr als 4 Wochen Zeit, die die beiden sich für Schweden schon nehmen, während Karl Angst vor Gewitter und die geliebte Hausbesetzerin vor dem Wasser da draußen hat.

Wasser? Warte mal…. hatte ich vorhin nicht frische Luft in das Wohnmobil gelassen? Durch die Dachluke? Wo Luft rein kommt, kommt auch Wasser rein….

Es sind nur 200m bis zu Walter. Allerdings quer durch einen Wasserfall biblischen Ausmaßes. Andererseits ist es jetzt auch egal. Was jetzt noch offen ist, war auch vor 20min schon offen.

Frau und Hund durch die Fluten zu zerren ist keine Option, nicht für uns und auch nicht für das freundliche Paar. Er beschließt, zu ihrem Camper zu laufen und sie hier abzuholen. Sie wollen noch weiter und es ist schon recht spät.

Sein Angebot, mich mitzunehmen und uns alle ins Trockene zu fahren, lehnen wir leichtsinnig ab – es kann ja nicht mehr so lange dauern. Dachten wir. Gerade als die beiden fröhlich winkend davon fahren merken wir, wie blöd wir eigentlich sind.

Und schon wieder so ein Moment für „lass das mal den Papa machen“. Noch ein kurzes Zögern, aber dann überwiegt der Heldenmut: ich laufe los, versuche über Pfützen zu springen und lande doch mittendrin, so groß sind sie. Walter weint. Oder ist es nur der Regen, der in Sturzbächen an ihm herunter läuft?

Es ist der Regen – oder können Wohnmobile auch von innen weinen? Ich stehe mit den Füßen im Wasser, als ich die Tür endlich aufhabe. Das ist die perfekte Gelegenheit, endlich auch unsere Handtuchvorräte drastisch zu reduzieren. Fühlt sich ein wenig an wie in einem Sumpfgebiet, als ich die geliebte Hausbesetzerin und Karlchen an der Bushaltestelle abhole.

Irgendwie schaffen wir es, aus dem Amphibienfahrzeug wieder ein Wohnmobil zu machen. Und bei beschlagenen Scheiben, Kerze und Rotwein im Trockenen zu sitzen ist ja auch ganz romantisch.

Runter vom Sofa (3): „dann können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“

Die Nacht war ruhig, traumlos und irgendwie zu kurz. Zumindest für mich. Ich werde von den verzweifelten Bemühungen eines dreifachen Vaters geweckt, seine Kinder zu erziehen.

„Wenn Du dir jetzt nicht die Schuhe anziehst, können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“

Es muss das verzweifelte „neeeeeeeeeiiiiiinnnnn“ des dreijährigen Blondschopfes gewesen sein, das mich jäh aus dem dringend notwendigen, erholsamen Schlaf gerissen hat. Morgens um halb 6. Ob das „neeeeeeeeeiiiiiinnnnn“ und die begleitenden Tränen den Schuhen oder dem zu Hause galten, konnte ich nicht herausfinden.

Zumindest marschiert Papa kurze Zeit später zur Mülltonne an der Ecke unseres Stellplatzes, drei kleine, blonde Kinder im Schlepptau. Alle vier barfuß. Ich sitze mit dem ersten Kaffee und einer Zigarette neben Walter und nicke dem Dreifachvater mitleidig zu. „Ich weiß bescheid mein Lieber, ich habe es schon hinter mir.“

Als die geliebte Hausbesetzerin eine Stunde später ebenfalls wach ist, werde ich mit ihr darüber philosophieren, wie sinnvoll und effektiv solche Auseinandersetzungen mit der eigenen Brut tatsächlich sind. Mich haben sie heute jedenfalls sehr effektiv geweckt.

Wir wollten ja einen Morgen ohne Hektik und ganz entspannt zur Fähre. Gesagt, getan. Noch einen Kaffee, noch ein kurzer Besuch am Strand, für und wider von Erziehungsmaßnahmen abwägen, Karl niedlich finden.

Als ich gerade zu dem Schluss komme, dass man es mit dem Drangsalieren von Kindern auch nicht übertreiben muss, startet Dreifachpapa seinen coolen offroad-Camper und dröhnt vom Platz.

„wann müssen wir eigentlich los zur Fähre?“ frage ich die Mannschaft und blinzle dabei genüsslich in die Sonne.

„eigentlich in 7 Minuten“

Die ungeschriebenen Kommunikationsgesetze in diesem Haus besagen, dass die Verwendung des Wortes „eigentlich“ höchste Alarmstufe bedeutet. Es meint nicht weniger als „wenn Du nicht sofort Deinen Arsch bewegst, können wir auch gleich wieder nach Hause fahren“.

Aber wir hatten ja eine Anreise ohne Hektik geplant – eigentlich.

Ich bin also zum zweiten Mal schlagartig hellwach, raffe unseren ganzen überflüssigen Glamping-Schnick-Schnack zusammen, kippe den Rest Kaffee in den Brombeerbusch und sitze 11 Minuten später im Cockpit. Im Gegensatz zu mir ist Walter ausgeruht und heult kraftvoll auf. Wenn jetzt alles glatt läuft, sind wir überpünktlich an der Fähre. Passiert uns sonst auch nur ausgesprochen selten.

„Ich brauche noch einen Briefkasten, bevor wir rüberfahren“

Ich mag es, wenn sich die geliebte Hausbesetzerin darum kümmert, dass ich nicht zu übermütig werde. Also gut, suchen wir also noch schnell einen Briefkasten. Ganz ohne Hektik.

Als wir endlich zur Fähre kommen, sind es noch 6 Minuten bis zur empfohlenen CheckIn Zeit. Alter Ver-Walter, wie auch immer wir das geschafft haben. Von einem mehr als desinteressierten Einweiser werden wir auf Spur Nr. 5 gebeten, vorbei an einer 200m langen Schlange wartender Autos und Camper. Irgendwo mittendrin meine ich, einen coolen Offroad Camper zu sehen, aber ich kann mich auch täuschen.

Wir stehen also in der ersten Reihe und es bleibt sogar noch Zeit für eine Zigarette – ohne Hektik. Vor uns ein Koloss aus Stahl, der nur darauf wartet, hunderte Autos mit völlig entspannten Insassen aufzunehmen. Und uns natürlich.

Und tatsächlich: nachdem etwa 20 LKWs in seinem Schlund verschwunden sind, fahren wir als erste über die Rampe.

Die Fahrt nach Kopenhagen läuft so flüssig wie der Weißwein, welchen wir später am Hafen trinken werden. Aber vorher haben wir noch eine Mission:

Seit einiger Zeit sind süchtig nach einer kleinen NetFlix-Serie: „Somebody Feed Phil“. Darin reist ein schräger Typ durch die Welt und frisst sich durch die Spezialitäten der jeweiligen Stadt. Großartig! Und jedes Mal bin ich neidisch, dass mich keine Kamera begleitet und Netflix meine Rechnung bezahlt, wenn ich einen Querfraß-Anfall habe.

Wie auch immer, jedenfalls war Phil in einer der Folgen auch in Kopenhagen und seitdem haben wir Appetit auf das großartige Smörebröd, welches er hier gegessen hat. Das Aamanns Deli ist schnell gefunden und wir sind begeistert. Cooler Laden, man kann sich kaum entscheiden zwischen den vielen wirklich kreativen und leckeren Varianten.

Wir sind hungrig und bestellen je ein Mal „beef Tatar“, „creamy mushrooms“, „organic eggs“ und handgekraulte Garnelen. Wahnsinn, was man aus einem belegten Brot alles machen kann. Es ist tatsächlich so lecker, dass ich die knapp 40 EUR die wir bezahlen, großzügig weglächeln kann.

In Vorfreude auf die moderne Variante des typisch dänischen „Abendbrotes“ finden wir unseren Stellplatz am Hafen Kastrup und haben bereits um halb sechs gehörig einen sitzen.

Immerhin, bis zum Sonnenuntergang ist noch reichlich Zeit und ich kann mir in Ruhe die Schiffe im Hafen anschauen. Dabei finde ich sogar zwei, welche ich mir nach dem Smörebröd sogar noch leisten könnte.

Morgen früh geht es ganz entspannt und ohne Hektik weiter, über die Brücke nach Malmö, Schweden.

Ort:                      Kastrup Lystbädehavn

Stellplatz:            Parkplatz, Schotter

Charakter:          sympathisch, leichte Parkplatzromantik
                              Wohnmobile + Wohnwagen
                              großzügige Plätze, direkter Blick auf den Yacht-Hafen

Sanitär:                WC, Duschen, Ver- und Entsorgung

Kosten:                ca.20 EUR / Nacht

Lage:                    direkt am Yacht-Hafen

Infrastruktur:     zu Fuß erreichbar:
                              Yacht-Hafen, kleiner Park mit Spielplatz, Promenade

Fahrrad:              zu empfehlen, um in den nahegelegenen Stadtteil zu kommen

auf dem Platz:   Strom, Bäume für Schatten

Empfehlung:       5 von 10
                              (für die Nacht vor der Brücke sehr gut)

Shakshuka – oder wie wir sagen „geiles Essen“

„immer, wenn ich bei Euch vorbei jogge, steht Ihr in der Küche und kocht“ sagte ein guter Bekannter im Dorf neulich zu mir.

„dann unterbrich doch das Joggen einfach und komm mal zum Essen vorbei“

Tatsächlich bleibt die Küche bei uns selten kalt. Hier wird experimentiert, geschlemmt und Opas Klassiker feiern Renaissance. In diesem Haus macht Essen glücklich – Bewohner und Gäste.

Gestern haben wir ein tolles Sommergericht wiederentdeckt und ein wenig … ergänzt.

Shakshuka (im Original ohne, bei uns mit Hackbällchen 😉)

Für die Hackbällchen:

  • 500g Hack (Rind oder gemischt)
  • 2 Eiweiß
  • 1 Knoblauchzehe (gepresst oder sehr fein gehackt)
  • 4-5 EL Semmelbrösel
  • 1/2 TL Backpulver
  • 1 EL Mondamin
  • 6 EL kaltes Wasser
  • 1 TL gekörnte Brühe
  • Salz
  • Pfeffer
  • 1 Prise Zucker

Alle Zutaten sehr gut vermengen und solange verrühren, bis eine weiche, homogene Masse entstanden ist. Mit einem Esslöffel kleine, etwa wallnussgroße Bällchen formen.

Die Hackbällchen in einem Wok oder einer großen, hohen Pfanne mit etwas Öl kräftig anbraten. Sie dürfen knusprig braun sein, müssen aber noch nicht ganz durchgegart sein.

Hackbällchen aus der Pfanne nehmen, warm halten und beiseitestellen, das Öl kann für das Shakshuka im Wok bleiben.

Für das Shakshuka:

  • 1 Zwiebel oder 2-3 Schalotten
  • 1 Knoblauchzehe (gepresst oder sehr fein gehackt)
  • 1 rote Paprika
  • 6-7 frische Tomaten (kurz abgebrüht und selbst geschält) oder 1 große Dose geschälte Tomaten
  • 100g Schafskäse
  • 4-5 Eier
  • 2-3 EL Olivenöl
  • 1/2 TL Paprikapulver
  • Cayennepfeffer (alternativ Tabasco)
  • Salz
  • Pfeffer
  • Prise Zucke
  • Chiliflocken oder ½ Schote frisch (fein gehackt)
  • frische Petersilie, glatt (fein gehackt)

Zunächst den Backofen auf 180° vorheizen (Ober- und Unterhitze).

Zwiebeln und Knoblauch fein hacken.
Paprika in feine Streifen schneiden.

Das Olivenöl in den Wok oder die hohe Pfanne geben und erhitzen. Darin die Zwiebeln und die Paprikastreifen andünsten, bis sie weich sind. Dann den Knoblauch dazugeben und ebenfalls andünsten.

Die geschälten Tomaten dazugeben, mit Paprikapulver, Cayennepfeffer und Chilli würzen. Alles zusammen ca. 10-15 Minuten köcheln, bis die Tomaten schön weich sind. Gelegentlich umrühren. (es darf aber ruhig auch mal am Pfannenboden einwenig ansetzen)

Mit Salz, Pfeffer und einer Prise Zucker würzen und die Hackbällchen dazugeben. Noch einmal ca. 5 – 10 Minuten min köcheln lassen.

Den Schafskäse in kleine Würfel schneiden und über dem Gemüse verteilen.

Die Eier aufschlagen und (wie Spiegeleier) auf dem Gemüse verteilen.

Die gesamte Pfanne in den Ofen geben und für ca. 10min backen – so lange bis das Eiweiß gestockt ist – das Eigelb aber noch etwas flüssig ist.

Aus dem Ofen nehmen, mit der frischen Petersilie (fein gehackt) bestreuen und direkt in der Pfanne servieren.

Dazu passt am besten frisches Landbaguette (und Rotwein).

Wir haben uns Teller und Besteck gespart – und direkt mit dem Löffel aus der großen Pfanne gegessen.

Ich sag nur: „geiles Essen“ und lasst es Euch schmecken!

Friday’s for Fish

Wenn wir etwas durch Corona und den Lock-Down gelernt haben, dann ist es wohl neben der ständigen Suche nach geeigneten Outdoor-Freizeitmöglichkeiten die alltägliche Frage nach „was essen wir denn heute“, die schon keiner mehr hören mag und bei uns mittlerweile ein Augenrollen hervorruft. Aber es nutzt ja nichts, solange wir nicht raus können holen wir uns die kulinarische Küche eben nach Hause, Zeit haben wir ja gerade im Überfluss…

Damit einher geht auch die ständige Suche nach neuen und ultimativen Küchengeräten. Ganz ehrlich, ich dachte immer diese Hochleistungsgrills sind kaum zu bezahlen, aber wir haben eine schöne Variante gefunden, die einen guten Job tut und nicht direkt den finanziellen Ruin bedeutet.

Gibts z.B. hier: https://amzn.to/39YqmfV

In diesem Ofen kann man neben Fleisch auch wunderbar Pizza backen, nachweislich und im Selbstversuch getestet. Vielleicht hat der Meister des selbsterfundenen Pizzateiges noch die Muße, eben dieses auch in diesem Blog zu teilen. Es lohnt sich auf jeden Fall dort vorbei zu lesen. 😉

Also, heute gibt es Lachs. Wir haben eine frische Lachsseite gefunden und wollen nun unseren Ofen bemühen. Als Beilagen gibt es schlicht einen gekochten Romanesco vom Wochenmarkt in Lüneburg und klassische Salzkartoffeln, die wir auch gerne regional kaufen, mit einer Sour Cream.

Den Lachs marinieren wir schon mittags. Dafür mischen wir etwas Soja Sauce, den Saft einer Zitrone und einen guten Schuss flüssigen Honig. Nach belieben kann noch brauner Zucker und etwas süße Chilisoße dazu gegeben werden. Den Lachs den Nachmittag über immer wieder mit der Marinade bestreichen und gut abgedeckt kaltstellen. Der Lachs braucht nicht lange in dem Hochleistungsofen, daher können die Beilagen schon fast fertiggekocht sein, wenn wir mit der Zubereitung des Fisches beginnen.

Für die Sour Cream verwenden wir ein typisches BBQ Rezept. Dafür Schmand und Magerquark als Basis vermischen. Nach eigenem Geschmack und Gusto noch folgende Komponenten ergänzen: Knoblauch, Zwiebel, Schnittlauch, Weißweinessig, Zucker, Zitronensaft, sowie Salz und Pfeffer. Am Besten werden diese Cremes, wenn man sie schon am Vortag zubereitet und über Nacht ziehen lässt.

Wenn es dann soweit ist: Kartoffeln wie gewohnt mit Salz kochen, den Romanesco im Ganzen in eine leichte Brühe geben und bis zur gewünschten Festigkeit garen.

Wir hatten unseren Fisch nur 6-7 Minuten im Ofen, also wirklich bis kurz vor dem Servieren mit der Zubereitung warten, auch wenn es schwer fällt. 😉 Den Ofen nicht ganz auf die heißeste Stufe stellen, sondern die gute Mitte wählen. Den Fisch auf die unterste Schiene in den Ofen schieben und beim Bräunen zuschauen, das ist besser als Fernsehen! Der Fisch ist durch die Hitze außen knusprig und innen noch sehr zart, so wie es sein sollte. In diesem Sinne – Guten Appetit!

Zart und kross

„leider nein…“ – als mich die vorlaute Hausbesetzerin am Rechner sitzen sieht und die Überschrift liest, fragt sie doch tatsächlich „oh, schreibst Du einen Artikel über mich?“

„Leider nein, zumindest nicht heute“

Ich schaffe es kaum mich umzudrehen und sie frech anzugrinsen, während ich antworte. So satt bin ich. Mal wieder. Es ist nicht nur einigermaßen langweilig, still und ohne jedes Leben in diesem Dorf – es ist auch noch fatal. Denn durch den Lockdown konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – Essen.

Die alltägliche Frage „was essen wir heute?“ löst inzwischen nicht nur Lachkrämpfe aus, sondern lässt uns die Küche in all ihrem Reichtum an Geräten, Kochbüchern, Gewürzen und Zutaten voll ausnutzen. Und dabei entsteht alle paar Tage ein neues Lieblingsgericht.

Und deshalb sollt Ihr in loser Folge all unsere kulinarischen Sünden kennenlernen. Ganz nebenbei eröffne ich hiermit also die Rubrik „P. & S. leckere Alltagsküche“ in diesem Blog.

Lasst uns mit einem Klassiker beginnen. Ganz ehrlich – es gibt nichts Geileres als ein Schnitzel – außer zwei Schnitzel.

Und so gab es heute 2×2 Schnitzel mit Salat, Pommes und Spiegelei. Unspektakulär? Halleluja, ich würde meine Mutter verkaufen dafür!

Wenn es Dir ähnlich geht, habe ich am Ende eine Empfehlung, was Du Dir unbedingt anschaffen solltest – je nach dem, wieviel Deine Mutter einbringt. Aber wir haben seit kurzem definitiv einen neuen Lieblingsmitbewohner.

Aber lasst uns mit dem Star des Abends beginnen: DAS Schnitzel

Ich denke, das Fleisch sollte gut, vor allem aber frisch sein. Kalb ist natürlich die Krönung, Schwein hat mich heute aber auch extrem glücklich gemacht.

Wie vor kurzem erwähnt, für mich sollte neben der Hausbesetzerin auch das Schnitzel zart und kross sein. Und das geht so:

Ich breite die Schnitzel auf der Arbeitsplatte aus, Abstand zueinander etwa 3 Finger breit. Dann lege ich eine Frischhaltefolie darüber, nehme der Frau des Hauses gerade noch rechtzeitig die Pfanne aus der Hand und los geht’s. Mit wohl dosierten, aber kräftigen Schlägen schlage ich die Schnitzel mit dem Pfannenboden platt. Am besten geht das, wenn Du die Pfanne auch mit der zweiten Hand führst, also eine am Griff und die andere in der Pfanne. Und dann immer druff, bis das Fleisch richtig platt – und somit zart – ist. Wenn das Schnitzel nach deiner Behandlung etwa doppelt so groß ist wie vorher, ist es perfekt.

Das arme Schnitzel! Lass es sich kurz erholen und kümmere Dich um das „kross“.

Dafür schlägst Du 2-3 Eier auf, gibst Paprika, Pfeffer, Fleisch- oder Grillgewürz nach Belieben und ein wenig Salz dazu und verquirlst das ganze kräftig mit einer Gabel oder Schneebesen. Anschließend gibst Du das gewürzte Ei in einen flachen Teller, der mindestens so groß wie Deine Schnitzel ist.

Da Du von den Tellern ja mindestens 6 hast – und aktuell höchstens drei brauchst, nimm Dir gleich einen zweiten dazu und stelle ihn neben den Teller mit dem Ei. Auf diesen zweiten Teller kommt reichlich Paniermehl oder Semmelbrösel drauf. Das vermischt Du ebenso wie das Ei mit ein wenig Salz, Paprika, Pfeffer, Fleisch- oder Grillgewürz nach Belieben.

Bevor wir es vergessen: mach schon mal den Ofen an, ca. 100°, Ober- und Unterhitze. Und dazu brauchst Du gleich eine Auflaufform o.ä. nebst Alufolie.

Wenn die Frau des Hauses die Pfanne nicht gerade als Meinungsverstärker braucht, nimm sie dir (die Pfanne), lass sie auf dem Herd gut heiß werden und gib ein wenig (ca. 1 TL) Butterschmalz hinein. Ersatzweise geht auch Butter. Das bringt Geschmack! Dazu gibst Du reichlich Öl, wirklich reichlich. Das gibt später die goldgelbe Farbe.

Beides in der Pfanne ordentlich heiß werden lassen.

Das erste Schnitzel ist schon ganz ungeduldig. Du ziehst es als erstes durch das Ei. Richtig reinlegen, wenden, durchziehen. Es soll möglichst viel Ei am Schnitzel hängen bleiben.

Danach geht es mit kühnem Schwung zum Teller daneben, den mit den Semmelbröseln. Ebenso intensiv hineinlegen und bebröseln. Überall am Schnitzel soll das Zeug kleben.

Und wenn das so ist – zack rüber in die heiße Pfanne. Das Fett muss richtig blubbern, das Schnitzel fast im heißen Öl schwimmen.

Jetzt heißt es wachsam sein: Nicht zu früh – aber auch nicht zu spät wenden. Du hast tatsächlich nur 1 Versuch. Ich mache es immer mit der Gabel: Ecke hochziehen und nach der Farbe schauen. Ist das Schnitzel gold-gelb-knusprig, kannst Du es umdrehen. Vorher nicht!

Wenn auch die andere Seite Deinen Vorstellungen entspricht, legst Du das Prachtstück in eine Auflaufform, Alufolie drüber und zum Ruhen und nachziehen in den Ofen. Ca. 15min

Weiter geht’s dann mit dem nächsten. Aber Achtung: Öl wechseln nicht vergessen. Ich nehme bei jedem Schnitzel tatsächlich neues Öl/Butterschmalz. Ich mag diese kleinen, verbrannten Brösel nicht.

Während Du so vor Dich hin schnitzelst, könnte Dein Mitbewohner/Mitbewohnerin folgenden wirklich sehr leckeren Salat vorbereiten:

Feldsalat, grob gerupft
rote Paprika oder Spitzpaprika, in schmale Streifen geschnitten
Cocktailtomaten, halbiert
Walnüsse, grob gehackt
Avocado, in mundgerechte Streifen geschnitten
Feta, in mundgerechte Würfel geschnitten

Alles gut mit der Hand vermischen (ja! Salat muss mit der bloßen Hand vermischt werden). Ein paar Salatkörner drüber – fast fertig.

Fehlt nur noch ein Dressing. Hier gab es heute eine eigene Kreation aus
Dattel-Speck-Crema
Olivenöl
Soja-Soße (die salzige)
ein Löffel Honig
Kräutermischung

Und während Ihr so Schnitzelt und Schnippelt, tut jemand anderes ganz leise und zuverlässig seinen Dienst: seit ein paar Wochen wohnt ein AirFryer bei uns. Jaja, ich weiß. Voll der Trend. Aber tatsächlich. Ich habe mich ja immer konsequent gegen eine klassische Fritteuse gewehrt. Gut so! Ein AirFryer ist nicht nur eine Alternative, es ist der Hammer!

Für alle, die ihn nicht kennen: das ist wie eine Fritteuse, nur mit ohne Öl. Stattdessen mit Heißluft.

Ich war zuerst ja skeptisch – typisch Mann eben: „was wollen wir damit?“ „Heiße Luft kann ich auch!“ „§€**°°&$%<“

Ich mach es mal kurz: wer Pommes, Kroketten, Currywurst, Brathähnchen, Köttbullar, Kartoffelpuffer, ChickenWings usw. mag, wird es lieben!

Im Grunde genommen kann das Teil alles, was auch ein (Umluft)Backofen kann. Nur eben geiler, schneller, einfacher. Übrigens: als nächstes steht ein frisches Brot auf meinen Air-Plan 😉

Du schmeißt die leckeren Sachen in den Korb, gerne auch zusammen, z.B. Currywurst und Pommes. Ein paar Tropfen Öl drauf (wegen kross und gold-gelb) und los geht’s. Einfach einschalten und machen lassen. Wir haben die Standardtemperatur auf 190° belassen, Du kannst aber auch jede andere Temperatur wählen. Nach 10min macht es piep – und Du hast die geilsten Pommes überhaupt. Ohne zwei Liter Öl und Gestank im Haus.

So wie wir heute. Den AirFryer gibt’s übrigens hier: https://amzn.to/2LxzZtU

Ach ja, bevor ist es vergesse: auf jedes Schnitzel gehört natürlich mind. ein Spiegelei. Für mich zumindest. Wie das geht, wisst Ihr ja.

Also: guten Appetit und lasst Euch die Zeit nicht lang werden! Essen geht schließlich immer.