Zu dritt ist es eine Party

„oh ja, so will ich leben. Wild & geil.“

„genau. Hauptsache frei, unbeschwert und nur das machen, was ich will.“

Erinnert Ihr Euch? War es bei Euch auch so?

Bei mir jedenfalls war es so – Hauptsache nicht spießig. Und total aufregend musste alles sein. Frei und unbeschwert.

Es ist noch gar nicht so lange her, da wollten wir alles Geld zusammen schmeißen und einfach losfahren. Den ganzen Tag Musik, wahnsinnig kreative Projekte, immer und überall Sex, fremde Länder und Kulturen erobern, geiles Essen, am Strand schlafen. Sowas.

Laut google maps sind wir genau 451 m weit gekommen. Ich müsste das tatsächlich mal nachmessen. Mach ich auch – wenn es nicht mehr regnet.

Die große Reise hat uns also in das Haus mit dem blauen Zaun geführt.

Damit hatte sich das mit dem Geld zusammen schmeißen auch erledigt – zumindest hat es jetzt die Form von Ziegelsteinen. Und die stehen hier seit mehr als 100 Jahren und wollen nicht an den Strand.

Plötzlich machst Du dir Gedanken über Deinen Vorgarten, schließt Lebensversicherungen ab und hast ein überschaubares Monatsbudget. Ich höre meine Eltern schon kichern.

Aber egal – wir sind ja immer noch die alten, wild & geil. In diesem Haus wird es rauschende Partys geben. Ein Haus der offenen Türen soll es sein. Und wenn die Terrasse erstmal gepflastert ist, gehen wir wieder auf Reisen.

Die Terrasse ist seit einem Jahr fertig. Fast genau so lange können und dürfen wir nicht reisen – es sei denn, wir haben Lust auf Urlaubserinnerungen auf der Intensivstation. Und ganz so unbeschwert und cool sind wir dann irgendwie doch nicht.

Zusammen mit den Reiseeinschränkungen hatte sich das mit den rauschenden Partys auch erledigt. Stattdessen gibt es home-office, Kontaktsperren und einen Wechsel beim Strom- und Gasversorger.

Die Erkenntnis kommt nicht plötzlich, vielmehr weht sie ganz langsam zu Dir herüber wie der Duft von frisch gebackenem Kuchen: die größte Reise ist die zu Dir selbst.

Ein gutes Bett kostet mindestens so viel, wie eine Reise nach Bali. Und irgendwann erinnerst Du dich auch daran, dass es am Strand viel zu hart und unbequem ist, um dort zu schlafen. Jedenfalls schläft es sich in einem guten Bett viel viel besser. Und auch andere Dinge sind wilder & geiler als mit Sand dazwischen.

Statt rauschender Partys gibt es im Haus mit dem blauen Zaun plötzlich regelmäßig gutes, selbstgemachtes Essen. Der Besuch von guten Freunden ist eher selten aber wertvoll. Und wenn erstmal Ruhe eingekehrt ist, bist Du plötzlich viel kreativer und produktiver als je zuvor.

Acht Wochen später:

Die geliebte Hausbesetzerin macht sich ernsthaft Gedanken darüber, ob das Spielzeug vielleicht zu klein ist und verschluckt werden könnte. Wir geben uns gegenseitig updates über Häufigkeit, Konsistenz und … naja, egal. Alle Kabel, Bücher und losen Gegenstände werden in mindestens 1,5m Höhe deponiert. Das Monatsbudget wird für ausgesuchte Leckereien klaglos überzogen. Und selbstverständlich gibt es auch gleich neue Versicherungen und diverse Ratgeber werden gelesen.

Seit Karl in das Haus mit dem blauen Zaun eingezogen ist, ist es hier auch wieder „wild“. Wilde Tobe-Partys auf dem Teppich, wilde Verfolgungsjagden im Garten und wilde Schmuseattacken überall.

Und ganz ehrlich – es ist total geil, zu dritt den letzten Rest der Pandemie zu meistern. Wir werden wieder reisen und zu dritt am Strand laufen. Und wir sind endgültig Herr und Frau Mustermann geworden – so wie jeder andere hier im Dorf auch irgendwie. Jeder auf seine Weise. Und das ist gut so.

(Und deshalb wird es hier ab sofort auch regelmäßig Hunde-Content geben 😉)

Ich freue mich, wenn es regnet …

… denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.

Es gibt unendlich viele Gründe, schlechte Laune zu haben: Das Wetter, der eigene Kontostand, der böse Nachbar, die nicht enden wollenden Corona-Einschränkungen, der nervige Job ….

ABER: die schlechte Laune macht diese Dinge auch nicht besser, ganz im Gegenteil.

Deshalb halten wir für Euch heute ein Plädoyer für die Hoffnung und eine gute Grundstimmung.

Wichtige Anmerkung:
Selbstverständlich gibt es Lebensumstände, auf die der folgende Text nicht zutrifft. Schwere Krankheiten, Not, der Verlust von Angehörigen oder andere persönliche Situationen können dazu führen, dass der folgende Text unangemessen wirkt. Solche Umstände sind mit dem folgenden Text ausdrücklich NICHT gemeint.

Der folgende Text ist die persönliche Meinung des Autors und lediglich als Denkanstoß gemeint.

Jeder kennt diese Menschen: egal was passiert, sie lächeln, haben gute Laune und sehen in jeder beschissenen Situation auch noch das Positive. Wie machen die das?

Zunächst einmal: auch diese Menschen sind mal traurig, verzweifelt oder schlecht gelaunt. Aber viel seltener. Und wenn, dann eher still. Sie tragen ihre Sorgen nicht zu Markte. Und das ist ein guter Anfang: denn je mehr man über große und kleine Missstände spricht, desto größer und mächtiger erscheinen sie. Deshalb

Tipp 1:
Sprich nicht dauernd darüber, was gerade nicht gut läuft oder Dich stört. Besprich Deine Sorgen regelmäßig (aber nicht jeden Tag) mit wenigen, engen Vertrauten.

Ist es nicht total schön und angenehm, wenn man mit einem Lächeln durchs Leben geht?! Wir alle lieben dieses Gefühl. Die gute Nachricht ist: Gute Laune kann man sich selbst verordnen.

Die meisten von uns achten darauf, dass wir uns morgens die Zähne putzen, etwas ordentliches anziehen, das Bett gemacht ist und ab und zu räumen wir sogar die Wohnung auf. Macht uns das Spaß? Nö! Und trotzdem machen wir es – weil es ja sein muss. Wir sind mehr oder weniger diszipliniert.

Wie wäre es, wenn wir auch mit unserer Stimmung ein wenig diszipliniert sind? Auch wenn es manchmal schwerfällt: lass uns beschliessen, dass wir gute Laune haben und machen es dann einfach. So wie wir die Spülmaschine ausräumen, obwohl wir dazu gerade gar keine Lust haben.

Tipp 2:
Gehirnforscher haben herausgefunden, wie man sein Gehirn bei schlechter Laune überlisten kann: durch Grinsen bzw. bewusstes Lächeln. Such Dir für 90sek. einen Ort, an dem Dich niemand sehen kann und grinse. So richtig breit, über das ganze Gesicht. Die Muskeln, die Du dafür brauchst, senden dem (schlechtgelaunten) Gehirn die Botschaft: „ich freue mich“ und überlisten es dadurch. Probier es aus, nach mind. 90sek grinsen wird sich Deine Stimmung langsam verbessern. Wirklich!

Ob Zeitung, Fernsehen oder online: die Nachrichten sind voll von Problemen, Skandalen oder sogar Katastrophen. Klar – schlechte Nachrichten und Aufreger erhöhen die Auflage und verkaufen sich besser. Aber das musst Du nicht mitmachen. Niemand zwingt Dich, jede Nachrichtensendung zu schauen oder jeden Artikel zu lesen.

Dasselbe gilt auch für die sozialen Medien. Du musst nicht jeden geteilten Link lesen oder kommentieren, Du musst auch nicht alle Kommentare lesen. Es tut gut, Nachrichten auf das Wichtigste zu reduzieren und nicht jede Diskussion mitzumachen.

Dadurch sparst Du sogar Zeit. Diese Zeit könntest Du nutzen für Dinge, die wirklich gute Laune machen und Hoffnung geben.

Und ganz ehrlich: durch die Corona-Einschränkungen haben wir doch gerade viel Zeit, oder?!:

  • Raus in die Natur

Spaziergänge in der Natur mit einem wachen Blick. Schau dir die Entwicklung an. Achte auf Tiere und Pflanzen – jeden Tag die gleichen. Dann wirst du die Veränderung oder auch die Beständigkeit wahrnehmen. Zudem steigert Zeit an der frischen Luft das Wohlbefinden. Vielleicht triffst du sogar ein paar nette fremde Personen, mit denen du auch auf Abstand in ein spannendes Gespräch kommst.

  • Eine aufmerksamere Gesellschaft

Soll ich meinen alten Nachbarn etwas vom Markt mitbringen? Fege ich für meine Nachbarn den Bürgersteig mit? Geht es meinen Freunden gerade gut? Was macht eigentlich meine Oma so ganz allein? Sollte ich ihr ein Paket zur Freude senden? Viele beantworten diese Fragen jetzt ohne Zucken und gehen aufmerksamer mit der Freundschaft, Familie und Nachbarschaft um. Nutze auch Du die Zeit, anderen etwas Gutes zu tun. Damit tust Du Dir selbst ebenso etwas Gutes.

  • Kreative Stunden genießen

Wir haben wieder die Zeit einem Hobby nachzugehen – Malen, Basteln, Handwerkeln, Gesellschaftsspiele, Garten, Tiere, Fahrzeuge, Kochen, Backen… was auch immer. Die Menschen werden wieder kreativ.

  • Dinge erledigen

Es macht nachweislich zufrieden, wenn Du Dinge erledigst.
was wolltest Du schon lange mal machen? Welche Projekte warten darauf, endlich umgesetzt zu werden? Schreibe sie auf eine Liste und fang an. Einfach machen. Du wirst sehen, wie gut es tut, Dinge auf der Liste abzuhaken.

Vielen Menschen fehlt in dieser Zeit die Hoffnung. Die Hoffnung darauf, dass die Einschränkungen bald vorbei sind, die Hoffnung, dass alles so wird „wie früher“, die Hoffnung auf …. Ja, worauf eigentlich?

Es gibt Grund zur Hoffnung – jeden Tag! Die Hoffnung kann ganz konkret sein oder auch allgemein und ohne konkretes Thema.

Es geht immer weiter, egal was passiert. Wir Menschen haben in der Geschichte schon soviele Dinge gemeistert. Zwei schlimme Kriege, die Pest, die spanische Grippe, Weltwirtschaftskrisen, Umweltkatastrophen. Das war alles schlimm, sehr schlimm sogar!

Und trotzdem: irgendwann wurde es besser, war es überstanden und hat zu dem guten Leben geführt, welches wir kannten.

So wird es auch diesmal sein. Es dauert manchmal länger und man braucht Geduld. Aber eins ist sicher: nichts bleibt für immer, egal wie schlimm es gerade ist.

Schau mal: in Rekordzeit wurde ein wirksamer Impfstoff gegen Corona entwickelt. So etwas dauert normalerweise viele, viele Jahre. Wir haben es in knapp 1 Jahr geschafft. Ja – es dauert nun etwas länger als gedacht, bis wir alle geimpft sind. Aber das Schaffen wir auch noch, mit etwas Geduld und Zuversicht.

Viele alte Gewohnheiten sind durch den Lockdown und die Schutzmaßnahmen nicht mehr möglich. Wir alle vermissen es, ins Restaurant zu gehen, Freunde zu umarmen, Konzerte zu besuchen und vieles mehr. Jeder hat seine ganz persönlichen, lieb gewonnenen Dinge, die es plötzlich nicht mehr gibt.

Aber wie wäre es, wenn Du einfach neue Gewohnheiten entwickelst? Die alten haben ja irgendwann auch einmal angefangen, bevor sie selbstverständlich wurden. Also: mach was Neues, lass es zur Gewohnheit werden und freue Dich darüber, dass Du die Möglichkeit dazu hast. Zum Beispiel der regelmäßige Spaziergang in der Natur, kochen für und mit der Familie, das neue Hobby, das regelmäßige Telefonat mit dem besten Freund oder der Oma, Bücher lesen und vieles mehr.

Wir finden, die neuen Gewohnheiten sind mindestens ebenso schön wie die alten!


Was Du noch alles tun kannst, um Hoffnung und gute Laune zu bekommen:

  • Lies ein gutes Buch.
  • Treibe Sport, bewege Dich mehr als sonst.
  • Lerne eine neue Sprache, irgendeine.
  • Denk über ein Problem nach und löse es
  • Viel mit Freunden oder Familie telefonieren. Besser noch: Gespräche mit den Nachbarn über den Gartenzaun oder von Balkon zu Balkon.
  • Räume auf –> Ausmisten und Ordnung befriedigen den inneren Monk in Dir. Verschenke das, was du selbst nicht mehr brauchst und jemand anderes freut sich darüber.
  • Male etwas. Auch wenn Du nicht malen kannst – male etwas. Du musst es ja niemandem zeigen, wenn Du nicht willst.
  • Schreibe einen Brief oder eine Postkarte an jemandem, dem Du noch nie geschrieben hast (jeder freut sich darüber).
  • Führe Tagebuch (richte hier den Blick auf: Was war heute gut? Wie war meine Stimmung? Was hat es mit mir gemacht?).
  • Schütze Dich vor Energiefressern: Manche Dinge geben einem nichts. Dann lass sie bleiben.
  • Nimm dir bewusst Zeit nur für Dich (ein langer Spaziergang allein, ein Vollbad, ein Zimmer für dich).
  • Baue etwas selbst, was du sonst kaufen würdest.
  • Repariere etwas, statt es wegzuschmeißen.
  • Mach ein Lager-Feuer.
  • Geh dein Blut spenden.
  • Suche Zitate zu deinen Stimmungen, halte sie in deinem Tagebuch fest.
  • Freue dich bewusst über das Glück von anderen.

Zitate:

“Es ist die Hoffnung, die den schiffbrüchigen Matrosen mitten im Meer veranlasst, mit seinen Armen zu rudern, obwohl kein Land in Sicht ist.” (Ovid)

“Solange ich atme, hoffe ich.” (Marcus Tullius Cicero)

“Bist du weise, so mischst du das eine mit dem anderen und wirst weder hoffen ohne zu zweifeln, noch verzweifeln ohne zu hoffen.” (Seneca)

Das römische Bad und der Astralkörper

Zugegeben, so richtig viel passiert hier ja gerade nicht. Wie die allermeisten anderen auch, verbringen wir die Tage und Abende zu Hause in der unerschütterlichen Hoffnung, damit unseren kleinen Beitrag zu leisten, dass dieses Virus irgendwann einfach keine Lust mehr auf uns alle hat.

Über die Hektoliter Rotwein und andere erheiternde Getränke, die wir hier so durchschleusen, können und wollen wir nicht öffentlich sprechen. Aber was ich mich tatsächlich frage: der gute Rum hat angeblich 8-10 Jahre gelagert, der Rotwein muss auch eine ganze Weile gefasst darauf warten, um uns zu gefallen. Wo kommt der ganze Stoff eigentlich her, der in den pandemiegeplagten Häusern und Wohnungen so versoffen wird? Wir können doch nicht die Einzigen sein, die plötzlich einen Hang zur Vieltrinkerei entwickeln?! Und jahrelang gelagerter Rum oder Wein lässt sich doch nicht beliebig vervielfältigen. Ist das Zeug etwa irgendwann mal alle? Oder anders gefragt: wenn es nach defacto 9 Monaten Lockdown immer noch genug davon zu kaufen gibt – was haben die Produzenten früher damit gemacht, als noch nicht so viel zu Hause gesoffen wurde?

Wie auch immer, das Bäuchlein wächst, der Frust gelegentlich auch und da heißt es charmant von der Seite: „tu was“

Ich mach ja immer so Listen. Erstens fühlt es sich gut und total Erwachsen an, todo-Listen zu schreiben. Zweitens bin ich einigermaßen vergesslich.

Also habe ich mir zu Beginn unseres Abenteuers hier im Haus diverse Listen angelegt. Natürlich wurden die Listen immer wieder verfeinert, verworfen, vergessen und neu sortiert. ABER: es gibt Listen.

Wisst Ihr was meine größte Erkenntnis aus diesen Listen ist?

Alles hängt mit allem zusammen.

Es ist eine Krux: wenn Du kein Licht in der Werkstatt hast, kannst Du nichts reparieren. Wenn Du nichts reparieren kannst, kommst Du nicht voran. Wenn Du nicht voran kommst, gibt’s erst Ironie, dann Spott und irgendwann ein Augenrollen. Ihr wisst schon – DIESES Augenrollen, das gefährliche.

Also: Licht in der Werkstatt habe ich inzwischen. Es ist gerade noch rechtzeitig zwischen Ironie und Spott fertig geworden. Zack – einen Punkt auf der Liste abgehakt. Listenpunkte abhaken fühlt sich übrigens an wie Geburtstag haben. Darauf kann man gerne auch mal mit der Hausbesetzerin anstoßen – wenn sie fertig gespottet hat. Noch gibt es ja genug Gute-Laune-Getränke zu kaufen.

In den letzten Wochen ganz unbemerkt in der Liste nach oben geschoben hat sich das Brennholz. So ein stolzer Kachelofen will auch gefüttert sein. Und die Liebste braucht es warm. Für diese beiden Besonderheiten war mein Holzvorrat nicht kalkuliert.

Gut abgelagertes, ofenfreundliches Brennholz ist zur Zeit ja wie Goldstaub. Alter Schwede, dafür kann man ja jeden Tag drei Flaschen …. aber lassen wir das.

Mein findiger Junior hat dann irgendwann eine vielversprechende Quelle aufgetan: 3 Jahre abgelagert, am Stamm, selbstabholen im Wald. Als ich den Preis gehört habe, wollte ich zur Feier des Tages die gute Flasche … naja, ihr wisst schon. Aber erst die Arbeit, dann das Vergnügen! Wer Listen schreibt, kann sich auch mal zusammenreißen.

Auf dem Weg zum Holz fühlen wir uns unschlagbar. Super Schnäppchen, Kettensäge dabei, Holzfällerhemd am Leib. So’n Männerding eben.

Als wir den Weg schließlich sehen, den das Holz gehen muss, fühlen wir uns nicht mehr ganz so heldenhaft. Holz geht nämlich nicht so gern allein, es lässt sich tragen. 500m quer durch den Wald, einen recht steilen Abhang hinauf. Jeden Stamm einzeln. Insgesamt 8 srm. Mein Handy verrät mir später, dass wir das Holz insgesamt 5 km geschleppt haben, über 87 Stockwerke. Wie sagte ein grinsender Spaziergänger, als er uns beobachtet: „Holz macht zweimal warm“. Du mich auch!

Als die erste von drei Touren endlich verladen ist, fällt uns ein, dass wir die Stämme ja auch wieder abladen müssen. Und irgendwo lagern. Zuversichtlich plane ich die rechte Seite des Scheune dafür ein. Zufrieden mit meiner Wahnsinns-Idee, das Holz trocken in der Scheune zu lagern, lehne ich mich zurück und warte darauf, dass meine Schulter aufhört beleidigt zu sein.

Wir haben uns fast ein wenig erholt, als wir auf den Hof rollen. Nach einem schnellen Kaffee beschließen wir, das Holz doch noch abzuladen.

Ein Stamm links, einer rechts auf die Schulter – übermütig stößt mein Junior die Tür zur Scheune auf. Da wo das Holz lagern soll.

„Hallo Norbert“

Ich habe heute noch gar nicht soviel gegessen, wie ich kotzen möchte.

Ja natürlich – Norbert macht inzwischen Sommerferien. In meiner Scheune. War ja so versprochen.

Und da ist sie wieder, die Erkenntnis: alles hängt mit allem zusammen.

Da, wo Norbert jetzt steht, soll das Holz hin. Da wo Norbert stehen sollte, wartet der Sperrmüll darauf, dass ich in der todo-Liste endlich bei Prio 6 ankomme….

Kurz und gut, wir lagern das Holz draußen, neben der Scheune.

Nach einer unruhigen Nacht schreite ich am nächsten Morgen zur Tat. Der geliehene Anhänger ist ja noch da, es liegt weniger als 10cm Neuschnee und so geht es nicht weiter. Ich schleppe alten, steif gefrorenen Teppichboden aus der Scheune, meterweise altes Holz, unnützen Kram und altes Zeugs – was sich seit dem Auszug der alten und Einzug der neuen Hausbesetzer eben so angesammelt hat. Insgesamt 470kg verrät mir der viel zu freundliche Herr am Recyclinghof später.

Und morgen sehen wir uns wieder. Denn wir haben noch etwas geerbt: dort, wo später einmal die Hühner leben sollen, lagert Marmor. Wenn ich Lust hätte, ein öffentliches, römisches Bad zu bauen – es würde dafür reichen. Etwa die Hälfte des Marmorschatzes konnte ich schon verschenken. Es wird also ein kleines Bad, liebe Nachbarn. Nur für etwa 100 Besucher. Aber das ist ja besser als nix, oder?

Apropos nix – nix da!

Der Marmor kommt weg. Und so schleppe ich mal wieder. Während es vor allem Oberschenkel und Schultern trainiert, wenn man Baumstämme den Berg hinaufschleppt, sind heute die Arme dran. Stimmt es eigentlich, dass Frauen auf soooooolche Oberarme stehen? Ich hätte da welche. Marmor sei Dank!

Und so ist es vollbracht: heute ging die letzte Fuhre den Weg aller Dinge. Und die Scheune ist leer. Wenn ich nicht Muskelkater in den Oberschenkeln hätte, ich würde einen Freudentanz aufführen. Ich habe stattdessen anders gefeiert – und zwei Punkte auf der todo-Liste gestrichen, die eigentlich noch gar nicht dran waren.

Und jetzt gehe ich baden und meinen Astralkörper salben. WER LACHT DA?!

1, 2 … Panic

„auf drei fangen wir an!“

„o.k.!“

„eins, zwei, …. vier“

Es gibt sehr wenige Momente, in denen selbst Controletti das natürliche Gefühl für Zahlen abhandenkommt. Vollständig.

Neulich war es wieder soweit. Wir haben so getan, als hätten wir den Fehler im Zählsystem nicht bemerkt und blieben ganz entspannt sitzen. Entspannt waren wir freilich nur nach außen – innerlich hatten wir Panik. Oder besser: Panic. Denn es war mal wieder Zeit für Panic-Cleaning.

Es ist eigentlich ein sehr effektives Prinzip: sauber gemacht wird immer dann, wenn Besuch kommt. Meistens vorher, ganz selten hinterher.

Üblicherweise bekommen wir ausreichend oft Besuch, so dass es nie wirklich schlimm wird.

Dabei gibt es verschiedene Abstufungen:

Kategorie 1 ist die unmittelbare Familie, eigen Fleisch und Blut und so

Hier bleibst Du vorher völlig entspannt, das große Reinschiffmachen kommt als Belohnung hinterher. Ihr wisst schon, Gummibärchen an der Unterseite des Tisches, Konfetti im Bad, Nagellack auf dem Sofa und Knutschflecke am Spiegel. Im Prinzip versuchst Du nur, den Tatort zu reinigen und den Ursprungszustand wiederherzustellen. Nervig – aber ohne Blutdruck.

Kategorie 2 sind enge Freunde, die sich anfühlen wie Familie.  

Hier hilft es, sich daran zu erinnern, dass sie Dich besuchen kommen, nicht Deine Wohnung. Sie wissen sowieso, wie ordentlich oder schlampig Du wirklich bist. Da brauchst Du auch kein Theater mehr spielen und es reicht völlig, ausreichend saubere Gläser bereit zu halten. Aber selbst die würden sie im Zweifelsfall noch selbst mitbringen.

Gute und sehr Freunde finden sich in Kategorie 3

Es ist Dir immerhin noch wichtig, dass keine Hinweise auf die Leidenschaft der letzten Nacht mehr rumliegen, es unter den Füßen nicht knirscht und die Handtücher im Bad sind meistens auch frisch. Aber im Großen und Ganzen lebst Du noch davon, dass der letzte Besuch aus Kategorie 4, 5 oder 9 noch nicht allzu lange her ist.

Bekannte tragen das Abzeichen der Kategorie 4

Wer vorausschauend lebt, plant einmal im Monat einen solchen Besuch ein. Denn irgendwie ist es schön zu wissen, dass der Staubsauger noch funktioniert und Du dich daran erinnerst, wo im Keller die Putzmittel eigentlich stehen. Alle Flächen in unmittelbarer Sichtweite bekommen ihre verdiente Pflege, wenn kein Besuch aus Kategorie 2 dazwischen kommt, bist Du in ein bis zwei Stunden durch. Musst Du auch, brauchst ja noch Zeit, den Kuchen zu backen.

In der höchsten Kategorie 5 versammeln sich Menschen, die Du eigentlich nicht kennst….

… zumindest nicht gut. Damit das so bleibt und sie Dein wahres ich nicht sofort nach dem Überreichen der Gastgeschenk-Orchidee kennenlernen, legst Du Dich richtig ins Zeug. Da wird nach dem Staubsaugen schon mal gewischt, die Bar wird nach Flaschengröße und Füllstand sortiert und im Bücherregal landet der Philosoph vorne, während der Groschenroman ganz hinten oder im Altpapier landet. Kerzenständer werden kurz aufpoliert, das Kaminholz nach Länge ausgerichtet und wenn Du einen Hund hast, bekommt er ein neues Körbchen. Während des Besuches fällt Dir das Bild auf, welches seit 3 Monaten nicht an der Wand hängt, sondern immer noch auf dem Boden davor lehnt. Die Glühlampe über dem Esstisch willst Du auch seit 6 Wochen tauschen und die letzten zwei Umzugskartons in deinem Büro waren doch gestern noch nicht da… aber egal, immerhin kannst Du den bisher fast unbekannten Besuchern erzählen, wieviel Projekte Du im Haus noch hast und wie wahnsinnig knapp Deine Zeit ist. Wenn es gut läuft, schauen Sie sich wohlwollend um, nicken bedächtig und sagen Sätze wie „dafür sieht es bei Ihnen aber schon sehr wohnlich aus“. Wenn sie nichts sagen, heißt es aber nicht zwangsläufig, dass sie Dich stumm kritisieren. Sie erfassen die Dimension Deiner zeitlichen Auslastung nur noch nicht.

Eigentlich wäre die Aufzählung hier zu Ende und Du könntest Dir einen Platz suchen, an dem die mitgebrachte Orchidee still vertrocknen könnte. Denn es kommt auf lange Sicht nichts mehr.

Außer Kategorie 9: die Schwiegermutter.

„auf drei fangen wir an!“

„o.k.!“

„eins, zwei, …. vier“

Wer läuft denn schon gerne Marathon? Ehrlich! Auf drei fängst Du an, Dein ganzes Haus auf links zu ziehen. Da wird nicht nur gewischt, Du suchst im Budni nach dem besten Bohnerwachs. Du bist kurz davor, die Bettwäsche für das Gästezimmer zu bügeln. Machst Du dann doch nicht, weil Du keine Zeit mehr hast. Denn eigentlich müsstest Du für diese Halbrenovierung 3 Tage vorher anfangen. Kannst Du aber nicht machen, weil Du nicht drei Tage lang auf Duschen, Essen und Atmen verzichten kannst. Also fängst Du 12 Stunden vorher an. Panic-Cleaning eben. Wenn Du es nicht im letzten Jahr schon gemacht hättest, würdest Du sogar die Sillekanten an der Dusche erneuern.

Und wofür das alles? Nur damit Mutti nach 2 Tagen nicht fragt, ob sie das Bad mal putzen soll. Wir hätten ja soviel anderes zu tun.

In zwei Wochen ist Weihnachten. Die gute Nachricht ist: den Rest des Jahres brauchen wir dann nicht mehr putzen.