Einer muss ja

Es pladdert. Und wenn ich sage „es pladdert“, dann meint das nicht einfach Regen. Sondern dann sind das Tischtennisballgroße Wasser-Ninjas, die vom Himmel stürzen. „Es regnet Hunde und Katzen“ kann ich ja nicht mehr sagen, wenn wir in diesem Haus weitgehend diskriminierungsfrei sein wollen.

Auf alle Fälle müssen wir raus – Karl zum pinkeln, ich zum rauchen. Da Karl andere Menschen nicht leiden kann und ich um diese Uhrzeit noch keinen Regen, gestaltet sich das einigermaßen schwierig. Jeder Hundetrainer betet es Dir vor wie ein Mantra: „wenn Du willst, dass Dein Hund Dir folgt, musst Du ohne Zaudern vorangehen“. Haha, sehr lustig wenn Dir kurz nach dem Wachwerden 5 Liter kaltes Wasser in den Nacken gekippt werden.

Aber hilft ja nix – einer muss ja.

Da wir nicht zu Hause im #dashausmitdemblauenzaun sind, sondern knapp 300km nördlich auf einem feinen Campingplatz, muss Karl auf seinen menschenfreien Garten verzichten. Ich verzichte auf die erste Zigarette des Tages ohne sprechen.

Kaum sind wir herausgetreten, höre ich bestimmt 20mal „da hinten wird es schon wieder hell“ von den benachbarten Stellplätzen. Alles klar – ich kann also weder den Kalauern noch den Halbwahrheiten entkommen, egal wo ich gerade bin. Das Helle dahinten ist nämlich die Straßenlaterne, die nicht nach Uhrzeit, sondern nach Helligkeit ein- und ausgeschaltet wird. Und ja, diese Regenwolken hier sind verdammt dunkel.

Irgendwie schaffen wir es, das Notwendige zu erledigen. Statt einem menschenfreien Garten finden wir einen menschenleeren Strand vor. Das versöhnt auch Karl wieder ein wenig.  Und hier spare ich auch die Worte, die ich morgens sowieso noch nicht habe. Herrlich!

Mit den Füßen im Salzwasser fühlt sich der Regen auch gar nicht mehr so nass und kalt an. Wir laufen ein Stück, verjagen übermütig die Strandläufer mit ihrem roten Schnabel und eilen irgendwann zurück.

Noch einmal zu der geliebten Hausbesetzerin unter die Decke schlüpfen wage ich nicht, so nass wie ich bin. Schlafende Frauen soll man(n) ja nicht unnötig erschrecken.

Dumm rumstehen mag ich auch irgendwie nicht, das machen die Wohnmobile hier schon ganz anmutig.

Also schnappe ich mir meinen Hut und gehe zum Hafen. Schließlich ist es Sonntag und einer muss ja Essen jagen. Karl ist es jedenfalls nicht, trotz großer Mühe hat er keinen der Strandläufer erwischt.

Dort, wo es Fischbrötchen gibt, müsste es doch auch Brötchen geben – ohne Fisch. Oder?!

Ich schaue mir sehnsüchtig die Segler an, die im Hafen liegen. Bei zwei Schiffen klappert das Großfall im Westwind, ein paar Möwen kreischen sich an und der Fischer kommt gerade wieder rein. Kitschige Hafenromantik, aber ich liebe es!

Da fällt mein Blick auf das Angebot der Woche beim örtlichen Hafenbistro: ein Fischbrötchen nach Wahl und ein Glas Prosecco für 5,90.

Ein so verlockendes Angebot hat mir am Sonntag Morgen schon lange keiner mehr gemacht. Ich gehe hinein, die freundliche Dame hinterm Tresen erinnert mich nur entfernt an Frl. Meyer, ist aber mindestens genauso gut gelaunt wie ich gerade. Ich bestelle unser Sonntagsfrühstück und einen Espresso für die Wartezeit.

Als ich mit einer nach frischem Räucherfisch und warmen Brötchen duftenden Tüte wieder hinaustrete, hat es aufgehört zu regnen. Sogar die Sonne kämpft sich langsam hervor. Sollte es tatsächlich wahr sein, dass nach Regen immer wieder die Sonne scheint?

Es fühlt sich so an. Denn inzwischen duftet es am Wohnmobil auch nach frischem Rührei.

„Keine Termine und leicht einen sitzen“ ist nicht nur Harald Juhnkes Definition von Glück, sondern ab sofort auch meine.

Ich nehme den letzten Schluck Prosecco und lege mich nochmal schlafen. Ich muss heute nämlich nix mehr.

#sonntagbeimbäcker

Autor: Björn Pamperin (die-platzbesetzer.de)

Pirat, Autor, Freigeist, Chaot, Monk, kreativer Kopf, Wildfang .... stimmt alles gar nicht und irgendwie doch. Was ich am wenigsten mag, sind Schubladen. Dafür mag ich um so mehr Freiheit, Neugierde, Sonne, das Meer, meine Prinzessin, meine Kinder, das Unbekannte und gutes Essen. Kommt mit auf unsere Reise. Hier wird es bunt und launig, manchmal schräg und launisch. In jedem Fall aber echt und ehrlich. w www.die-platzbesetzer.de und die wohnen hier ww.dashausmitdemblauenzaun.de

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