Zart und kross

„leider nein…“ – als mich die vorlaute Hausbesetzerin am Rechner sitzen sieht und die Überschrift liest, fragt sie doch tatsächlich „oh, schreibst Du einen Artikel über mich?“

„Leider nein, zumindest nicht heute“

Ich schaffe es kaum mich umzudrehen und sie frech anzugrinsen, während ich antworte. So satt bin ich. Mal wieder. Es ist nicht nur einigermaßen langweilig, still und ohne jedes Leben in diesem Dorf – es ist auch noch fatal. Denn durch den Lockdown konzentrieren wir uns auf das Wesentliche – Essen.

Die alltägliche Frage „was essen wir heute?“ löst inzwischen nicht nur Lachkrämpfe aus, sondern lässt uns die Küche in all ihrem Reichtum an Geräten, Kochbüchern, Gewürzen und Zutaten voll ausnutzen. Und dabei entsteht alle paar Tage ein neues Lieblingsgericht.

Und deshalb sollt Ihr in loser Folge all unsere kulinarischen Sünden kennenlernen. Ganz nebenbei eröffne ich hiermit also die Rubrik „P. & S. leckere Alltagsküche“ in diesem Blog.

Lasst uns mit einem Klassiker beginnen. Ganz ehrlich – es gibt nichts Geileres als ein Schnitzel – außer zwei Schnitzel.

Und so gab es heute 2×2 Schnitzel mit Salat, Pommes und Spiegelei. Unspektakulär? Halleluja, ich würde meine Mutter verkaufen dafür!

Wenn es Dir ähnlich geht, habe ich am Ende eine Empfehlung, was Du Dir unbedingt anschaffen solltest – je nach dem, wieviel Deine Mutter einbringt. Aber wir haben seit kurzem definitiv einen neuen Lieblingsmitbewohner.

Aber lasst uns mit dem Star des Abends beginnen: DAS Schnitzel

Ich denke, das Fleisch sollte gut, vor allem aber frisch sein. Kalb ist natürlich die Krönung, Schwein hat mich heute aber auch extrem glücklich gemacht.

Wie vor kurzem erwähnt, für mich sollte neben der Hausbesetzerin auch das Schnitzel zart und kross sein. Und das geht so:

Ich breite die Schnitzel auf der Arbeitsplatte aus, Abstand zueinander etwa 3 Finger breit. Dann lege ich eine Frischhaltefolie darüber, nehme der Frau des Hauses gerade noch rechtzeitig die Pfanne aus der Hand und los geht’s. Mit wohl dosierten, aber kräftigen Schlägen schlage ich die Schnitzel mit dem Pfannenboden platt. Am besten geht das, wenn Du die Pfanne auch mit der zweiten Hand führst, also eine am Griff und die andere in der Pfanne. Und dann immer druff, bis das Fleisch richtig platt – und somit zart – ist. Wenn das Schnitzel nach deiner Behandlung etwa doppelt so groß ist wie vorher, ist es perfekt.

Das arme Schnitzel! Lass es sich kurz erholen und kümmere Dich um das „kross“.

Dafür schlägst Du 2-3 Eier auf, gibst Paprika, Pfeffer, Fleisch- oder Grillgewürz nach Belieben und ein wenig Salz dazu und verquirlst das ganze kräftig mit einer Gabel oder Schneebesen. Anschließend gibst Du das gewürzte Ei in einen flachen Teller, der mindestens so groß wie Deine Schnitzel ist.

Da Du von den Tellern ja mindestens 6 hast – und aktuell höchstens drei brauchst, nimm Dir gleich einen zweiten dazu und stelle ihn neben den Teller mit dem Ei. Auf diesen zweiten Teller kommt reichlich Paniermehl oder Semmelbrösel drauf. Das vermischt Du ebenso wie das Ei mit ein wenig Salz, Paprika, Pfeffer, Fleisch- oder Grillgewürz nach Belieben.

Bevor wir es vergessen: mach schon mal den Ofen an, ca. 100°, Ober- und Unterhitze. Und dazu brauchst Du gleich eine Auflaufform o.ä. nebst Alufolie.

Wenn die Frau des Hauses die Pfanne nicht gerade als Meinungsverstärker braucht, nimm sie dir (die Pfanne), lass sie auf dem Herd gut heiß werden und gib ein wenig (ca. 1 TL) Butterschmalz hinein. Ersatzweise geht auch Butter. Das bringt Geschmack! Dazu gibst Du reichlich Öl, wirklich reichlich. Das gibt später die goldgelbe Farbe.

Beides in der Pfanne ordentlich heiß werden lassen.

Das erste Schnitzel ist schon ganz ungeduldig. Du ziehst es als erstes durch das Ei. Richtig reinlegen, wenden, durchziehen. Es soll möglichst viel Ei am Schnitzel hängen bleiben.

Danach geht es mit kühnem Schwung zum Teller daneben, den mit den Semmelbröseln. Ebenso intensiv hineinlegen und bebröseln. Überall am Schnitzel soll das Zeug kleben.

Und wenn das so ist – zack rüber in die heiße Pfanne. Das Fett muss richtig blubbern, das Schnitzel fast im heißen Öl schwimmen.

Jetzt heißt es wachsam sein: Nicht zu früh – aber auch nicht zu spät wenden. Du hast tatsächlich nur 1 Versuch. Ich mache es immer mit der Gabel: Ecke hochziehen und nach der Farbe schauen. Ist das Schnitzel gold-gelb-knusprig, kannst Du es umdrehen. Vorher nicht!

Wenn auch die andere Seite Deinen Vorstellungen entspricht, legst Du das Prachtstück in eine Auflaufform, Alufolie drüber und zum Ruhen und nachziehen in den Ofen. Ca. 15min

Weiter geht’s dann mit dem nächsten. Aber Achtung: Öl wechseln nicht vergessen. Ich nehme bei jedem Schnitzel tatsächlich neues Öl/Butterschmalz. Ich mag diese kleinen, verbrannten Brösel nicht.

Während Du so vor Dich hin schnitzelst, könnte Dein Mitbewohner/Mitbewohnerin folgenden wirklich sehr leckeren Salat vorbereiten:

Feldsalat, grob gerupft
rote Paprika oder Spitzpaprika, in schmale Streifen geschnitten
Cocktailtomaten, halbiert
Walnüsse, grob gehackt
Avocado, in mundgerechte Streifen geschnitten
Feta, in mundgerechte Würfel geschnitten

Alles gut mit der Hand vermischen (ja! Salat muss mit der bloßen Hand vermischt werden). Ein paar Salatkörner drüber – fast fertig.

Fehlt nur noch ein Dressing. Hier gab es heute eine eigene Kreation aus
Dattel-Speck-Crema
Olivenöl
Soja-Soße (die salzige)
ein Löffel Honig
Kräutermischung

Und während Ihr so Schnitzelt und Schnippelt, tut jemand anderes ganz leise und zuverlässig seinen Dienst: seit ein paar Wochen wohnt ein AirFryer bei uns. Jaja, ich weiß. Voll der Trend. Aber tatsächlich. Ich habe mich ja immer konsequent gegen eine klassische Fritteuse gewehrt. Gut so! Ein AirFryer ist nicht nur eine Alternative, es ist der Hammer!

Für alle, die ihn nicht kennen: das ist wie eine Fritteuse, nur mit ohne Öl. Stattdessen mit Heißluft.

Ich war zuerst ja skeptisch – typisch Mann eben: „was wollen wir damit?“ „Heiße Luft kann ich auch!“ „§€**°°&$%<“

Ich mach es mal kurz: wer Pommes, Kroketten, Currywurst, Brathähnchen, Köttbullar, Kartoffelpuffer, ChickenWings usw. mag, wird es lieben!

Im Grunde genommen kann das Teil alles, was auch ein (Umluft)Backofen kann. Nur eben geiler, schneller, einfacher. Übrigens: als nächstes steht ein frisches Brot auf meinen Air-Plan 😉

Du schmeißt die leckeren Sachen in den Korb, gerne auch zusammen, z.B. Currywurst und Pommes. Ein paar Tropfen Öl drauf (wegen kross und gold-gelb) und los geht’s. Einfach einschalten und machen lassen. Wir haben die Standardtemperatur auf 190° belassen, Du kannst aber auch jede andere Temperatur wählen. Nach 10min macht es piep – und Du hast die geilsten Pommes überhaupt. Ohne zwei Liter Öl und Gestank im Haus.

So wie wir heute. Den AirFryer gibt’s übrigens hier: https://amzn.to/2LxzZtU

Ach ja, bevor ist es vergesse: auf jedes Schnitzel gehört natürlich mind. ein Spiegelei. Für mich zumindest. Wie das geht, wisst Ihr ja.

Also: guten Appetit und lasst Euch die Zeit nicht lang werden! Essen geht schließlich immer.

Autor: Björn Pamperin (die-platzbesetzer.de)

Pirat, Autor, Freigeist, Chaot, Monk, kreativer Kopf, Wildfang .... stimmt alles gar nicht und irgendwie doch. Was ich am wenigsten mag, sind Schubladen. Dafür mag ich um so mehr Freiheit, Neugierde, Sonne, das Meer, meine Prinzessin, meine Kinder, das Unbekannte und gutes Essen. Kommt mit auf unsere Reise. Hier wird es bunt und launig, manchmal schräg und launisch. In jedem Fall aber echt und ehrlich. w www.die-platzbesetzer.de und die wohnen hier ww.dashausmitdemblauenzaun.de

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